Reformierte ZH: Geld für Zusammenschlüsse, nicht für Entschuldung

Die Zürcher Synode beschliesst für Fusionen von Kirchgemeinden einen Kredit von 2,5 Millionen Franken. Auch in der Medienlandschaft bereitet das Kirchenparlament eine Flurbereinigung vor und überweist eine Motion, wonach die Zeitung «reformiert.» bald alle Mitglieder erreichen soll.

Neue Kirchgemeinden dürfen die Kantonalkirche etwas kosten, entschieden die Synodalen im Rathaus am 10. Januar. (Bild: ref.ch/Böhni)

Unumstritten war am 10. Januar im Zürcher Rathaus der Kredit, der bis Ende 2023 für Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden im Rahmen des Projekts KirchGemeindePlus zur Verfügung stehen soll. Beim Kreditantrag für die Entschuldung von fusionswilligen Kirchgemeinden folgte die Synode dem Kirchenrat nicht. Dieser wollte 3,3 Millionen Franken ins Budget einstellen, als «politisches Zeichen», wie Kirchenrätin Katharina Kull sagte, «um Steine aus dem Weg zu räumen». Denn geplante Zusammenschlüsse könnten an der unterschiedlichen Finanzkraft von Kirchgemeinden scheitern. Die Mehrheit der Abgeordneten fand hingegen, der Kredit würde nur wenigen Kirchgemeinden zu Gute kommen, und den Schulden stünden oft Werte in Form von Liegenschaften gegenüber. Sie lehnte das Geschäft ab, wie dies bereits die Mehrheit der Finanzkommission getan hatte.

Grossgemeinden haben andere Bedürfnisse

Das Langzeit-Projekt KirchGemeindePlus beschäftigte die Synodalen auch in der Aussprache zu möglichen Organisationsformen zukünftiger Kirchgemeinden. In einem Diskussionspapier hatte der Kirchenrat ein Geschäftsleitungsmodell und ein Kommissionsmodell vorgeschlagen. Die lebhafte, über einstündige Diskussion dazu brachte Lob und Kritik in verschiedene Richtungen.

Am häufigsten bemängelt wurde, das Papier berücksichtige nur die Bedürfnisse mittelgrosser Landgemeinden, nicht aber solch grosser Einheiten wie der zukünftigen Kirchgemeinde der Stadt Zürich, die nach ihrem Zusammenschluss rund 80’000 Mitglieder zählen wird. Kirchenrat Daniel Reuter nahm die Anregungen auf und versicherte: «Wir haben gehört, was die Vertretungen aus der Stadt Zürich und der Stadt Winterthur gesagt haben.»

Weltanschaulich geprägte Debatte zu «reformiert.»

Zuletzt überwies das Kirchenparlament eine Motion einer Gruppe Synodaler um Annelies Hegnauer, die den Kirchenrat beauftragt, die gesetzliche Grundlage zu schaffen, dass «reformiert.» zur Mitgliederzeitung für alle Reformierten des Kantons wird. In allen anderen Kantonen, die zum Verbreitungsgebiet von «reformiert.» gehören, ist dies bereits der Fall. In Zürich liegt es noch an den Kirchgemeinden, ein Abonnement zu lösen.

Die Debatte zeigte einmal mehr, wie sehr die Meinungen zur Mitgliederzeitung von weltanschaulichen und politischen Positionen abhängen. Manchen aus dem bürgerlichen Lager und insbesondere der Evangelisch-kirchlichen Fraktion gilt «reformiert.» als zu links und zu kirchenfern. Vor diesem Hintergrund pochten mehrere Synodale auf die Wahlfreiheit der Kirchgemeinden, das Abo abzubestellen. Dem hielt Kirchenrat Andrea Marco Bianca entgegen, dass die Zeitung auch passive Mitglieder erreiche, die sonst kaum in Kontakt zur Kirche kommen. Am Ende stimmten rund zwei Drittel der Abgeordneten für die Motion. Nun hat der Kirchenrat zwei Jahre Zeit, einen entsprechenden Antrag auszuarbeiten.