Griechenland

Flüchtling nach Tod des Sohnes freigesprochen

Weil sein Sohn auf der Flucht nach Europa ertrunken ist, hat sich ein 25-jähriger Afghane in Griechenland vor Gericht verantworten müssen. Menschenrechtsorganisationen hatten sich für den Angeklagten eingesetzt.

Ein Afghane, der in Griechenland wegen seines auf der Flucht ertrunkenen Sohnes angeklagt war, ist laut Menschenrechtlern freigesprochen worden. Dem 25-jährigen wurde vorgeworfen, das Leben seines Kindes gefährdet zu haben, indem er den Sechsjährigen in ein Boot nach Europa setzte. Ein mit ihm vor Gericht stehender zweiter Afghane wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt, wie die Menschenrechtsorganisation «borderline-europe» auf Twitter mitteilte.

Beide Männer waren mit auf dem Boot mit an Bord, das Boot war im November 2020 vor der griechischen Insel Samos gekentert. Das Kind war bei dem Unglück gestorben. Vor dem Prozess hatten Menschenrechtler gegen das Verfahren protestiert. Der Vater sei der erste Asylsuchende, der in Europa für den Tod seines Kindes angeklagt worden sei. «Dabei war alles, was er wollte, sein Kind in Sicherheit zu bringen.»

Der zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Landsmann musste sich vor Gericht verantworten, weil er bei der Überfahrt das Steuer des Flüchtlingsbootes übernommen hatte. Die Menschenschmuggler seien zuvor kurz nach dem Ablegen von Bord gegangen und hätten das Boot und seine Insassen ihrem Schicksal überlassen, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

In einer Online-Petition hatten Dutzende Organisationen aus ganz Europa gefordert, die Vorwürfe gegen die beiden Männer fallenzulassen. «Der Schiffbruch Tod des Kindes waren weder die Schuld der beiden Männer, noch war es eine unglückliche Tragödie», heisst es in der Petition. «Sie sind das unmittelbare Ergebnis der zunehmenden Abschottungspolitik der EU, die den Menschen keine andere Wahl lässt, als ihr Leben und das ihrer Familien auf immer lebensgefährlicheren Reisen zu riskieren.» (epd/mos)