Zürcher Kirchenrat reagiert auf Tipps zum Kirchenaustritt

Die Pendlerzeitung 20 Minuten gibt in einem Artikel jungen Erwachsenen Ratschläge für den Kirchenaustritt. Das sei verantwortungslos und untergrabe die Solidarität in der Gesellschaft, kontert der Zürcher Kirchenrat.


Ein Artikel in der Pendlerzeitung 20 Minuten sorgt derzeit für Diskussionen. In dem Beitrag mit dem Titel «Wie trete ich aus der Kirche aus?» erhalten junge Erwachsene Tipps rund um den Kirchenaustritt. Unter anderem finden sie dort eine Anleitung für das Austrittsschreiben an die Kirchenpflege.

In drei Fragen und Antworten zu Heirat, Beerdigung und Taufe geht der Artikel auf die Konsequenzen eines Kirchenaustritts ein. So heisst es zum Beispiel, eine kirchliche Heirat sei für Nichtmitglieder «unter Umständen» trotzdem möglich. Ebensowenig sei es ausgeschlossen, sein Kind taufen zu lassen. Das Thema stösst offenbar auf grosses Interesse: Bis Freitagabend gab es auf 20 Minuten über 1000 Leserkommentare.

Beitrag zur «Entsolidarisierung»

Reagiert hat nun auch der Kirchenrat der Reformierten Kirche Kanton Zürich. In einer Stellungnahme vom 3. Mai bezeichnet er den Beitrag als «verantwortungslos». Dieser habe lediglich den «persönlichen Vorteil der Steueroptimierung im Auge». Das Angebot der Kirche werde dabei «völlig verkürzt» auf Hochzeit, Beerdigung und Taufe reduziert. Hingegen unterschlage der Bericht, dass ein Grossteil der Kirchensteuer in soziale und seelsorgliche Angebote fliesse. Damit leiste 20 Minuten der «gesellschaftlichen Entsolidarisierung» Vorschub, kritisiert der Kirchenrat.

Weiter verweist er in seiner Stellungnahme auf eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2017. Diese habe aufgezeigt, wie die Kirche über die Gottesdienste hinaus zum Wohl der ganzen Gesellschaft beitrage. Dies sei nur durch die Kirchensteuer und dank des sozialen Engagements von kirchlichen Mitarbeitenden und Freiwilligen möglich. (no)