250 Jahre nach Gründung

Zürcher Pfarrverein steht vor dem Aus

Die Wurzeln des Pfarrvereins des Kantons Zürich reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Nun soll der Verein aufgelöst werden – weil ihn niemand präsidieren will.

Noch vor drei Jahren hat der Pfarrverein des Kantons Zürich mit einem Musical und Pfarrer-Slams sein 250-jähriges Jubiläum gefeiert.  Nun steht der traditionsreiche Verein, der zu den ältesten im Kanton gehört, kurz vor der Auflösung. Schon längere Zeit habe es Schwierigkeiten gegeben, die Ämter im Vorstand zu besetzen, heisst es in der Einladung zur Generalversammlung vom 14. Januar 2022.

Insbesondere sei es trotz intensiver Suche nicht gelungen, eine Nachfolge für den amtierenden Präsidenten zu finden. Nach «reiflicher Überlegung» sei der Vorstand deshalb zum Schluss gekommen, an der Versammlung im Januar die Auflösung zu beantragen, heisst es in dem auf der Website des Vereins publizierten Schreiben.

Präsident: «Mangelndes Interesse der Mitglieder»

Der aktuelle Präsident Corsin Baumann bestätigt auf Anfrage von ref.ch, dass die Suche erfolglos geblieben sei. Nach seiner Pensionierung als Pfarrer im Jahr 2018 entschied sich Baumann, das Amt als Vereinspräsident für drei weitere Jahre zu übernehmen. «Seither haben wir einige Gespräche geführt, aber am Ende keine Zusage erhalten.» Baumann stellt zudem ein mangelndes Interesse an den Aktivitäten des Vereins fest. «Von unseren insgesamt rund 400 Mitgliedern sind immer weniger zu unseren Veranstaltungen erschienen», sagt er.

Der Pfarrverein ist der Berufsverband der Pfarrerinnen und Pfarrer im Kanton. Als «gemeinsame Stimme der Pfarrschaft» vertritt er die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Landeskirche. 1768 als «Asketische Gesellschaft» gegründet, setzte sich der Verein ursprünglich für stellenlose Vikare ein. Unter anderem organisierte er Weiterbildungen, um die angehenden Pfarrer auf ihren Beruf vorzubereiten.

Konkurrenz durch die Pfarrkapitel

Viele dieser ehemaligen Aufgaben des Vereins würden inzwischen von anderen Gremien wahrgenommen, so Baumann. So ist die Aus- und Weiterbildung nun bei den Gesamtkirchlichen Diensten der Landeskirche angesiedelt. Auch für seelsorgerliche und religionspädagogische Themen gibt es eigene Fachstellen.

Einen Grund für den Bedeutungsschwund sieht Baumann aber auch in einer Doppelstruktur. Neben dem Verein gibt es im Kanton Zürich mit den Pfarrkapiteln eine weitere Interessenvertretung für Pfarrerinnen und Pfarrer. «Die Pfarrkapitel haben den Vorteil, dass sie über die Dekanenkonferenz einen direkten Draht zum Kirchenrat haben. Das haben wir vom Pfarrverein nicht», sagt Baumann.

Das letzte Wort hat nun am 14. Januar die Generalversammlung. Sagt sie Ja zum Antrag des Vorstands, wird der Verein voraussichtlich schon per Ende 2022 aufgelöst. Damit ginge auch ein Stück Zürcher Vereinsgeschichte zu Ende. (no)