Zürcher Kirchenrat sagt Ja zur «Ehe für alle»

Der Kirchenrat der Reformierten Kirche Kanton Zürich spricht sich für eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle aus. Er unterstützt auch den Zugang zur gemeinschaftlichen Adoption sowie den Zugang von lesbischen Paaren zur Samenspende.


Die Botschaft des Zürcher Kirchenrats an den Bundesrat ist klar: Im Rahmen der Vernehmlassung spricht er sich für die parlamentarische Initiative «Ehe für alle» aus. Schon seit der Reformation gehöre die Ehe nicht zum Glaubensgut, sondern sei wandelbar, heisst es in einer Medienmitteilung vom 9. Juli. Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, die Frau als Besitz des Mannes zu verstehen oder «Vielweiberei» zu erlauben wie noch zu biblischen Zeiten.

Für die reformierte Kirche sei die Ehe auch kein Sakrament, sondern eine Segens- und Fürbittehandlung. Es würden darum keine grundsätzlichen Hindernisse zur Anerkennung der «Ehe für alle» auch als Voraussetzung für eine kirchliche Trauung bestehen. Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle sei daher nicht nur zu akzeptieren, sondern ausdrücklich erwünscht.

Ungleichbehandlung nicht begründbar

Gemäss Kirchenrat ist das Ziel der Initiative, die Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen gegenüber verschiedengeschlechtlichen Paaren aufzuheben. Diese sei nicht begründbar und verstosse gegen das Diskriminierungsverbot, heisst es in der Mitteilung weiter. Wenn auch die sexuelle Orientierung Ausdruck geschöpflicher Fülle sei, trage sie ebenfalls zur Gleichwertigkeit von Liebesbeziehungen bei.

Diese Gleichwertigkeit besteht nach Ansicht des Kirchenrates auch unabhängig von der Fortpflanzung. Der Schutz der Ehe dürfe deshalb nicht einer «natürlichen Ehe zwischen Mann und Frau» gelten, wie es etwa von konservativen christlichen Kreisen gefordert werde. Vielmehr müsse die weltliche Institution Ehe verbindliche Beziehungen und die allenfalls daraus entstehenden oder darin lebenden Kinder schützen. Es sei darum ausdrücklich auch im Sinne des Kindswohls, wenn die «Ehe für alle» ermöglicht wird.

Zum Kindswohl gehört gemäss Kirchenrat auch, dass die Kindsbeziehungen rechtlich abgesichert werden und daher alle Paare, gleich- wie verschiedengeschlechtlich, Zugang zum Stiefkinds- wie auch zum Voll-Adoptionsverfahren haben. Der Kirchenrat sei überzeugt, dass zwei Männer oder zwei Frauen genau gleich gute Eltern sein können wie ein Mann und eine Frau. Der Rat unterstütze folglich auch den Zugang für weibliche Ehepaare zum Verfahren mit gespendeten Samenzellen.

Segnungsfeiern seit 1999

Schliesslich befürwortet der Kirchenrat auch die Erweiterung des Anwendungsbereichs aller weiteren Bestimmungen des Eherechts auf homosexuelle Paare wie das Güterrecht und auch die Gleichstellung der eingetragenen Partnerschaft und der Ehe im Einbürgerungsverfahren.

Die Reformierte Zürcher Kirche hat sich bereits 1999 für die Gleichwertigkeit homosexueller Liebesbeziehungen ausgesprochen und in der Folge Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt. (bat)