«Ehe für alle ist nicht mehr aufzuhalten»

Die Zahl der kirchlichen Trauungen nimmt stetig ab. Deshalb müsse sich die Kirche öffnen, um «verlorenes Terrain zurückzugewinnen», sagt Nicolas Mori von der Evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich in einem Interview.

Sobald die zivilrechtliche Ehe für alle gilt, werde die reformierte Kirche sehr wahrscheinlich nachziehen, glaubt Nicolas Mori von der reformierten Kirche Kanton Zürich. (Bild: Wikimedia)

In Zürich heiratet nur jeder dritte Reformierte nach der zivilen Trauung auch kirchlich. «Früher hatten Heiratswillige die Wahl zwischen einer nüchternen Trauung auf dem Standesamt und einer feierlichen Zeremonie in der Kirche – dazwischen gab es nichts. In Zürich können sie sich heute auch im Zunfthaus oder im Zoo standesamtlich trauen lassen», sagt Nicolas Mori, Leiter Kommunikation der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Die säkulare Konkurrenz habe zugenommen – heute zähle eben auch die Location.

Ehe für alle nur eine Frage der Zeit

Mori ist davon überzeugt, dass sich die Kirche öffnen muss, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Er sagt allerdings: «Die Grenze ist dort erreicht, wo die Würde des Anlasses nicht mehr gewahrt wird, wo es nur noch um den Event geht», sagt er.

Auf die Frage, ob die Ehe für alle der kirchlichen Trauung Aufschwung verleihen könnte, sagt Mori: «Sobald die zivilrechtliche Ehe für alle gilt, wird zumindest die reformierte Kirche sehr wahrscheinlich nachziehen. Dieser Zug ist nicht mehr aufzuhalten.» (bat)

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