Zürcher erhalten mehr Freiheiten bei Taufe, Trauung und Abdankung

Die reformierte Kirchensynode des Kantons Zürich hat mit der Teilrevision der Kirchenordnung begonnen – und den Pfarrinnen und Pfarrern grösseren Entscheidungsspielraum bei der Gestaltung des kirchlichen Lebens eingeräumt.


Das Kirchenparlament der reformierten Kirche des Kantons Zürich hat in seiner Sitzung vom 3. April  damit begonnen, einzelne Bestimmungen der Kirchenordnung zu überarbeiten. Die reformierte Kirche werde dabei nicht neu erfunden, die Kirchenordnung bleibe in ihren Grundzügen auch künftig bestehen, schreibt die Zürcher Landeskirche am 3. April in einer Mitteilung.

Eine Teilrevision der Kirchenordnung sei allerdings nötig, einerseits wegen der Schaffung der Grosskirchgemeinde in der Stadt Zürich. Diese erfordere gesetzliche Anpassungen. Andererseits müssten einzelne Bestimmungen an das übergeordnete Recht angepasst werden. Zudem solle die Teilrevision dazu genutzt werden, für die Gestaltung des kirchlichen Lebens neue Regelungen einzuführen, schreibt die Landeskirche weiter.

Zu Beginn kritisierten laut Mitteilung mehrere Synodenmitglieder, dass die Teilrevision die Anliegen grosser Gemeinden zu sehr favorisiere. Ein Rückweisungsantrag wurde allerdings abgelehnt. Ein wichtiges Argument sei dabei der bereits weit fortgeschrittene Reformprozess in der Stadt Zürich gewesen.

Offiziell mehr Freiheiten für Pfarrpersonen

In der Detailberatung habe das Parlament lange über die Gestaltung der Taufe diskutiert. Da diese nach reformiertem Verständnis grundsätzlich im Gottesdienst stattfindet, habe man um die Formulierung einer Ausnahme gerungen. Diese erlaubt Pfarrerinnen und Pfarrern nun offiziell, auch ausserhalb des Gottesdienstes zu taufen.

Ähnliche Anpassungen gab es auch bei der Ortswahl von Trauungen und Abdankungen. Die Kirchenordnung hält auch hier im Grundsatz weiterhin daran fest, dass diese in der Kirche respektive in der Abdankungshalle stattfinden, aber Pfarrpersonen dürfen nun nach eigenem Ermessen auf individuelle Wünsche eingehen.

Kontakt mit Kirchenfernen

Diese Öffnung mache aus Pfarrpersonen keine Dienstleister, stellte Kommissionspräsidentin Jacqueline Sonego Mettner laut Mitteilung klar. Die Entscheidung bleibe den Pfarrerinnen und Pfarrern überlassen. Gerade Hochzeiten und Taufen seien Momente, bei denen auch kirchenferne Menschen mit der Kirche in Kontakt kämen. Da biete sich die Gelegenheit, über die Bedeutung von Sakramenten und kirchlichen Handlungen zu sprechen. (pd)