Kirchgemeinden werden nicht zwangsfusioniert

In Zürich soll die grösste Kirchgemeinde der Schweiz entstehen. Der Kirchenrat will jedoch niemanden zum Zusammenschluss zwingen.


Die reformierte Grosskirchgemeinde der Stadt Zürich nimmt Form an. Voraussichtlich werde die Kirchensynode den Zusammenschluss am 16. Januar 2018 beschliessen, schreibt die reformierte Kirche des Kantons Zürich in einer Mitteilung vom 8. November.

Der Wunsch nach Freiheit

Nur zwei von 34 Kirchgemeinden haben den Zusammenschlussvertrag abgelehnt: Hirzenbach und Witikon. Der Kirchenrat wolle diese beiden Gemeinden jedoch nicht zu einem Zusammenschluss zwingen, heisst es in der Mitteilung.

Es fänden jedoch noch Gespräche statt, ob ein Rahmen für einen Anschluss geschaffen werden könne, schreibt die Kantonalkirche weiter. Ein Verbleib in der Selbständigkeit wäre mit grossem Aufwand und Kosten für die Kirchgemeinden verbunden.

Noch ist nicht aller Tage Abend

Der Witiker Kirchenpflegepräsident Hans-Peter Burkhard ist zufrieden mit dem Entscheid des Kirchenrats, keinen Zwang auszuüben. «Der Stadtverband kam auf uns zu, um über Möglichkeiten zu diskutieren und Alternativen auszuloten. Da sind wir sehr froh», sagt Burkhard.

Es sei nun nötig, dass beide Seiten einen substanziellen Schritt aufeinander zugingen. «Wir wollen eine starke lokale Präsenz. Damit meinen wir nicht Veranstaltungen, sondern Kompetenzen und Verantwortung auf lokaler Ebene.»

Nichts gegen eine Reform, aber …

Witikon sei auch im Austausch mit Hirzenbach, sagt Burkhard. Beiden Kirchenpflegen gehe es um die Basisarbeit, das Vernetzen im Quartier. Da müsse der Stadtverband gute Voraussetzungen für genügend Spielraum schaffen. Administrative Aufgaben könne man ruhig bündeln.

Grundsätzlich würde Witikon eine Reform befürworten, doch der Zusammenschlussvertrag sei ihnen zu vage. Am 29. November werde die Kirchgemeinde an einer ausserordentlichen Versammlung über das weitere Vorgehen entscheiden.

Zwang schafft kein Vertrauen

Die Wünsche der beiden Kirchgemeinden werden bei den angesetzten Gesprächen wohl nicht auf taube Ohren stossen. Laut Kantonalkirche betone der Stadtverband, dass das neue Konzept auch künftig vor Ort Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum geben solle.

Laut Mitteilung habe der Kirchenrat ebenfalls betont, dass keine Kirchgemeinde im Prozess «Kirchgemeinde Plus» allein bleiben solle. Darum wolle der Kirchenrat auch keinen Zwang auf die beiden Kirchgemeinden ausüben. Dies wäre dem gegenseitigen Vertrauen abträglich. (pd)