Synode sagt Ja zur Kirchgemeinde Zürich

In der Stadt Zürich kann die grösste Kirchgemeinde der Schweiz entstehen: Die Synode hat die Fusion von über dreissig reformierten Gemeinden bestätigt. Wie es mit Witikon und Hirzenbach weitergeht, die aus dem Vorhaben ausscheren, ist derzeit noch offen.

Die Mehrheit der Zürcher Reformierten ist bereit zur Fusion. (Bild: Keystone/Roger Szilagyi)

Sie soll 80’000 Mitglieder umfassen und zum 1. Januar 2019 ins Leben gerufen werden: Die reformierte Kirchgemeinde Zürich. Das Parlament der Zürcher Landeskirche hiess an seiner Versammlung vom 16. Januar den Zusammenschluss von 32 der insgesamt 34 Stadtzürcher Kirchgemeinden gut.

Knapp der Zwangsfusion entgangen

Im vergangenen Jahr hatten bereits die einzelnen Kommunen für die Fusion gestimmt – mit Ausnahme von Oerlikon, Witikon und Hirzenbach. Im Nachgang der Abstimmung machte Oerlikon allerdings deutlich, dass man gegen einen Alleingang sei und den Mehrheitsentscheid für einen Zusammenschluss akzeptieren wolle.

Die beiden anderen Kirchgemeinden sind dagegen bis heute bei ihrem Votum geblieben – zum Missfallen der vorberatenden Kommission der Synode. Sie stellte den Antrag, Witikon und Hirzenbach gegen ihren Willen in die Fusion miteinzubeziehen.

Der Entscheid für den Antrag habe für Bauchweh gesorgt, sagte Kommissionspräsident Thomas Maurer gemäss einer Medienmitteilung. Man sei sich bewusst, dass damit demokratische Entscheide der Kirchgemeindeversammlungen umgestossen würden. Diese Kompetenz stehe dem Kirchenparlament aber in diesem Fall zu und sei mit Blick auf den gesamten Prozess gerechtfertigt.

Am Ende fiel das Resultat knapp aus: Dem Alleingang von Hirzenbach stimmten 59 Synodale zu, jenem von Witikon 62. Jeweils über 40 Synodale hielten das Ausscheren der beiden Kirchgemeinden für falsch.

«Froh über die Klarheit»

Der Reformierte Stadtverband, der Zweckverband der reformierten Kirchgemeinden der Stadt Zürich und Oberengstringen, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Synode. «Natürlich wären wir gerne mit allen 34 Kirchgemeinden weitergegangen. Aber wir sind froh, dass nun Klarheit herrscht und wir nach vorne blicken können», sagt Fabian Kramer, Kommunikationsbeauftragter beim Stadtverband, auf Anfrage.

Hätte die Synode einer Zwangsfusion zugestimmt, wäre laut Kramer die Gefahr von Einsprachen, die das Projekt des Zusammenschlusses verzögert hätten, grösser gewesen. Auf diesen Standpunkt hatte sich zuvor auch schon der Kirchenrat gestellt.

«Wir sind keine Separatisten»

Auch in Witikon ist man zufrieden mit dem Abstimmungsresultat. Gegenüber ref.ch spricht Kirchenpflegepräsident Hans-Peter Burkhard von einem langen Entscheidungsprozess innerhalb der Kirchgemeinde; aber eine knappe Mehrheit der rund 175 stimmberechtigten Personen habe sich noch am vergangenen Sonntag gegen die Fusion ausgesprochen. «Wir sind keine Separatisten. Wir sehen uns weiterhin als Teil der einen, weltweiten Kirche», so Burkhard. Es überwiege jedoch die Sorge, dass bei einem Zusammenschluss das aktuell sehr lebendige Gemeindeleben nicht mehr erhalten und weiterentwickelt werden könne. Aus diesem Grund sei man bereit, den Alleingang zu wagen.

Wie dieser genau aussehen soll, ist derzeit noch nicht bekannt. Laut dem Kirchenrat ist lediglich klar, dass beide Gemeinden zunächst eine eigene Verwaltung aufbauen müssen, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Personal und Liegenschaften. Ebenfalls bedarf es demnach einer Vermögensausscheidung zwischen dem Stadtverband und den Kirchgemeinden.

Erste Gespräche im Februar

Die Frage, wie die Erträge aus den Kirchensteuern aufgeteilt würden, ist dagegen noch völlig offen. Gemäss Kirchenrat sei unklar, ob die Stadt Zürich, die für die Erhebung der Gelder zuständig ist, eine Aufteilung überhaupt vornehmen könne und ob dies nicht zu Mehrkosten für die Kirchgemeinden führen würde.

Anders sieht das Hans-Peter Burkhard: «Gleiche Leistungen wie bisher sollten auch gleich viel kosten wie bisher. Wir reden ja nur davon, dass die Erträge ein wenig anders aufgeteilt werden müssen, als dies jetzt der Fall ist.» Und eine eigene Verwaltung aufzubauen sei das letzte, was man wolle. Stattdessen sei auch die Zusammenarbeit mit einer anderen Kirchgemeinde denkbar, beispielsweise im Bereich Personaladministration.

Ein erstes Gespräch zum weiteren Vorgehen soll bereits Anfang Februar stattfinden. Laut Burkhard hoffe man in Witikon auf «pragmatische und faire Lösungen». Ähnlich klingt es in Hirzenbach: «In den kommenden Wochen und Monaten wird die Kirchenpflege intensiv im Gespräch mit dem Stadtverband bleiben. Kirchenpflege und Mitarbeitende sind überzeugt, dass sich keine unlösbaren Probleme ergeben werden», heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeinde.