ZH: Mehr Zeit für Kirchgemeinde-Fusionen

Der Zürcher Kirchenrat zeigt, wie er sich die künftige Kirchenlandschaft vorstellt. Auf einer Karte, die er als Entwurf vorlegt, ist zu sehen, wie sich Kirchgemeinden zusammenschliessen könnten. Gleichzeitig wird diesen mehr Zeit zugestanden.

Kirchenrat Daniel Reuter (l.) und Kirchenratspräsident Michel Müller skizzierten vor den Medien ihre Pläne für die Zukunft der Zürcher Kirche.
Kirchenrat Daniel Reuter (l.) und Kirchenratspräsident Michel Müller skizzierten vor den Medien ihre Pläne für die Zukunft der Zürcher Kirche. (Bild: Christian Schenk)

39 statt 174 Kirchgemeinden. So könnte sich in Zukunft die Karte der Zürcher Landeskirche präsentieren. Zumindest nach den Vorstellungen des Kirchenrats. Dieser hat am 26. Mai vor den Medien gezeigt, welche Kirchgemeinden sich zusammenschliessen sollen.

Auch hat er einen aktualisierten Zeitplan für Fusionen im Rahmen von «KirchGemeindePlus» vorgelegt, dem grossen Reformprojekt der reformierten Kirche. Ferner beantwortete der Kirchenrat eine Reihe von Antworten, nachdem die Synode im November 2015 mehr Klarheit gefordert hatte.

Winterthur: drei Gemeinden

Die Karte dürfte einiges zu reden geben unter den Kirchgemeinden. Hinwil ist, obwohl sich dort die Kirchgemeinden von einem bezirksweiten Zusammengehen reden, in vier Gemeinden aufgeteilt. Winterthur, wo bislang wenig in Bewegung war, ist in drei Gemeinden aufgeteilt. Und im Bezirk Horgen ist Thalwil den vier Gemeinden Adliswil, Langnau, Kilchberg und Rüschlikon zugeteilt, die bislang Gespräche unter sich geführt hatten.

Vor den Medien strich Kirchenrat Daniel Reuter deutlich heraus, dass diese Karte als Entwurf zu verstehen sei und nicht als ein Zwang zu Fusionen. «Wir sagen nicht: Genau so wollen wirs haben. Sondern wir schicken unseren Entwurf in die Vernehmlassung an die Kirchgemeinden.» Die Karte gibt eine klare optische Vorgabe, an denen sich die Gemeinden für weitere Gespräche orientieren können.

«Keiner bleibt allein»

Der Reformplan geht von den bisherigen Gesprächen unter den Kirchgemeinden aus, die seit der Lancierung von KirchGemeindePlus 2012 stattgefunden haben. Für den Kirchenrat ist wichtig, dass keine Kirchgemeinde allein bleibt. Kirchenratspräsident Michel Müller appellierte an die Solidarität, finanziell oder strukturell weniger attraktive Gemeinden nicht auszugrenzen. Ziel ist es, dass die neuen Kirchgemeinden finanziell soweit als möglich auf eigenen Beinen stehen können. Auch wird im Plan auf die Festlegung einer minimalen Mitgliederzahl verzichtet.

Etappierter Zeitplan

Neu ist auch der zeitliche Rahmen, der für die Gemeindefusionen vorgelegt wird. Alleiniger Richtwert ist nicht mehr der Beginn der Amtsperioden 2018 bis 2022 in den Gemeinden. Der Kirchenrat trägt der Tatsache Rechnung, dass die einzelnen Kirchgemeinden sehr unterschiedlich weit unterwegs sind im Reformprozess. «Die Ungleichzeitigkeit ist eine grosse Herausforderung», bekannte Müller.

Gemäss dem neuen, etappierten Zeitplan soll in den ungeraden Jahren – also 2017, 2019, 2021 und 2023 – die Synode jeweils gebündelt Gemeindezusammenschlüsse genehmigen können. «Für einzelne Kirchgemeinden ist das immer noch zu schnell, andern gibt es die nötige Luft», betonte Müller. Doch riet er den Kirchgemeinden, schnell vorwärts zu machen. Bis 2020 sei die finanzpolitische Entwicklung der Kirche noch einigermassen absehbar, danach aufgrund des Mitgliederschwundes der Kirchen und des Spardrucks, der auch auf Bund und Kanton lastet, nicht mehr.

«Auffangmöglichkeit»

Gemäss Müller müsse nicht wegen KirchGemeindePlus gespart werden; die Reform sei vielmehr eine «Auffangmöglichkeit», künftiges Sparen besser zu bewältigen. Durch möglichst optimale Bündelung, Koordinierung und Zusammenlegung von Infrastrukturen könne man zudem das Leistungsniveau der Kirche bewahren.

Weiterer Rückgang

Die Landeskirche hat beim statistischen Amt eine Prognose für die Mitgliederentwicklung der reformierten Kirche bis ins Jahr 2040 erstellen lassen. Diese Zahlen sagen einen Mitgliederrückgang von 22 Prozent bis 2040 im Kanton voraus. Der Rückgang verteilt sich jedoch unterschiedlich: In ländlichen Gebieten ist mit einem Drittel zu rechnen. In den Städten Zürich und Winterthur wird er hingegen deutlich geringer ausfallen. Und im Limmattal stehen die Zeichen gar auf Anstieg: Durch ein anhaltend starkes Bevölkerungswachstum können einige reformierte Kirchgemeinden sogar wieder wachsen.

Der Ergänzungsbericht des Kirchenrats geht nun in die Vernehmlassung. Im Juli 2016 wird er in der Synode behandelt. Nach der Vernehmlassung wird er im Sommer 2017 der Synode vorgelegt.

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch»

 

Stefan Schneiter/reformiert.info