Deutschland

Worms feiert Luther

Vor 500 Jahren schrieb Martin Luther Kirchengeschichte. Er weigerte sich, seine Thesen zu widerrufen. Das wirkt bis heute nach.

Vor einem halben Jahrtausend, am 18. April 1521, weigerte sich Luther auf dem Reichstag in Worms im heutigen Rheinland-Pfalz, seine Schriften zu widerrufen. Die Gegenrede zu Kaiser und Papst hatte revolutionäre Sprengkraft – die Reformation nahm ihren Lauf und führte zur Kirchenspaltung.

Dies sollte eigentlich mit einem grossen Luther-Jahr gefeiert werden. So hatten es Rheinland-Pfalz und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ursprünglich geplant. Dann kam Corona. Nun findet der Festakt virtuell statt.

Für die deutsche Evangelische Kirche ist die Verweigerung des Widerrufs von 1521 ein herausragender Moment. «Luther hat damit gezeigt, wie bedeutend eine einzelne Person mit dem sein kann, was sie sagt und tut», betont EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung. Das Jubiläum bleibe aber nicht in der Rückschau. «Es regt an, nach den ‹Luther-Momenten› heute zu fragen. Das sind Momente, in denen Menschen gefordert sind, für die Botschaft des Evangeliums einzustehen», meint Jung. Es gehe um eine Haltung, die dafür einstehe, sowohl die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten als auch das Wohl aller zu suchen.

«Wider das Gewissen»

In 95 Thesen verurteilte Luther (1483-1546) damals den Ablasshandel der katholischen Kirche, um sich von Sünden freikaufen zu können. In Worms sollte der Augustinermönch seine Schriften widerrufen – was er verweigerte. «Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen.» So sind Luthers Worte überliefert. Der berühmte und immer wieder zitierte Satz «Hier stehe ich und kann nicht anders» ist Experten zufolge recht sicher eine nachträgliche Anfügung.

Wo Luther den Funken der Reformation in Deutschland zündete, befindet sich heute ein Park. Vom Bischofshof, in dem er sich vor dem Reichstag weigerte, seine Ansichten zu widerrufen, ist nichts geblieben. Seit 2017 befindet sich an dem geschichtsträchtigen Ort im heutigen Heylshofpark unter anderem die Bronzeskulptur «Luthers Schuhe». Anders als in Wittenberg (Sachsen-Anhalt), wo Luther seine Thesen veröffentlichte, sind authentische Zeugnisse verschwunden.

Theaterstück von Schweizer Autor

In der Nacht zum 18. April 2021 wird in Worms spektakuläre Kunst geboten: Bei einer Multi-Media-Inszenierung soll die Dreifaltigkeitskirche zur «grössten Leinwand Europas» werden. Ein Ensemble um Schauspieler Rufus Beck will dann die Geschichte Luthers vor dem Reichstag zum Leben erwecken. Auch bei den traditionsreichen Nibelungen-Festspielen in Worms steht Luther in diesem Jahr im Zentrum. Das Stück schreibt der Schweizer Autor und Georg-Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss. Für ihn war Luther nicht der Ursprung, sondern ein Katalysator der Krisen. (sda/dpa/mos)