Geschichte

Wo 111 Hugenotten in den Fluten ertranken

Ein neuer Visioguide lässt ein dramatisches Schiffsunglück im 17. Jahrhundert aufleben. Damals sanken zwei Schiffe mit geflüchteten Hugenotten in der Aare.

Audiovisuelle Elemente lassen die Geschichte der hugenottischen Flüchtlinge aufleben. (Bild: Stiftung VIA – Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser)

Bilder von Geflüchteten in untauglichen Booten im Mittelmeer sind heute trauriger Alltag. Doch schon früher riskierten Flüchtlinge auf ihren Routen ihr Leben. Tragisch endete dies am 5. September 1687. 111 Hugenotten ertranken an diesem Tag in den Fluten der Aare. Kurz vor Lyss im Kanton Bern war eines ihrer Schiffe auf einen Baumstrunk aufgelaufen und zerbrochen. Beim Versuch der Passagiere, sich auf das zweite Schiff zu retten, kenterte auch dieses. Nur 26 Menschen überlebten das Unglück.

Das grösste Schiffsunglück in der Geschichte der Schweiz kann nun als interaktive Zeitreise nachverfolgt werden. Die Stiftung VIA – Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser hat einen Visioguide lanciert, der an 15 Stationen zwischen Aarberg und Lyss Geschichte erlebbar machen will, wie es in einer Mitteilung heisst.

Ermöglicht wird dies durch moderne Augmented Reality-Technologie und verschiedene audiovisuelle Elemente wie Animationen, 360-Grad-Kameras, Musik und Bildstrecken. Die App «Naufrage 05.09.1687» kann gratis von Apple Store und Google Play Store heruntergeladen werden.

Zielgruppe seien Personen mit kulturhistorischem Interesse sowie Familien, heisst es weiter. Vorkenntnisse seien nicht nötig. Das Projekt, das auch Führungen einschliesst, ist Teil der Kulturroute des Europarats «Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser». Finanziert wird es vom Bund und vom Kanton Bern. (no)