«Wir haben den Jugendlichen unsere Kirche zur Verfügung gestellt»

Auf dem Bundesplatz in Bern haben Klimaaktivisten ein Camp aufgebaut, um damit auf das Klimaproblem aufmerksam zu machen. Auch die Offene Kirche Bern beteiligt sich am Protest, indem sie ihre Räume zur Verfügung stellt. Warum sie das tut, erklärt Pfarrer Andreas Nufer im Interview.

Sie wollen, dass die Politik sich endlich mehr für den Klimaschutz engagiert: Die Protestbewegung Klimastreik. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Herr Nufer, zurzeit findet ein grosser Klimaprotest auf dem Bundesplatz in Bern statt. Ist die Offene Kirche auch daran beteiligt?
Wir selber sind nicht vor Ort. Wir haben den Klimajugendlichen aber unsere Kirche zum Übernachten bereitgestellt.

Wie kam es dazu?
Wir haben von einer Gruppe von Jugendlichen die Anfrage bekommen, ob sie in unserer Kirche übernachten können. Der Kirchgemeinderat hat dieses Anliegen besprochen und dann bewilligt.

Werden die Aktivisten vor Ort betreut?
Nein, das braucht es nicht. Sie haben einen Vertrag unterschrieben, dass sie alles ordentlich zurücklassen. Bis jetzt haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.

Warum unterstützen Sie die Aktivisten?
Wir haben grossen Respekt vor diesen Jugendlichen. Und wir finden, dass das Engagement fürs Klima auch aus kirchlicher Sicht wichtig ist. Denn es geht dabei um die Bewahrung der Schöpfung.

Wie erleben Sie die Jugendlichen?
Sie sind sehr engagiert, zuverlässig und kompetent. Sie haben ein hervorragendes Kommunikationskonzept und wissen, wie man mit Konflikten umgeht.

Die Stadt Bern hat das Protestcamp zuerst toleriert, jedoch ein Ultimatum gestellt, bis wann der Platz geräumt werden muss. Was sagen Sie zu diesem Vorgehen?
Ich würde die Jugendlichen gewähren lassen. Vielleicht hätte man eine Lösung mit dem Märit finden können. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn das Camp nun zum Beispiel auf den Waisenhausplatz umzieht.

Können Sie verstehen, dass die Jugendlichen nicht nachgeben wollen?
Ja. Weil der Klimawandel ein wirklich grosses Problem ist, das die Politik nur sehr langsam und zurückhaltend angeht. Viele Politiker haben lediglich ein grünes Mäntelchen an und setzen sich zu wenig für die Umwelt ein.

Wie kann sich die Kirche in die Klimabewegung einbringen?
Auf politischer Ebene, indem sie zum Beispiel Abstimmungsempfehlungen macht. Auf Ebene der Kirchgemeinden, indem diese selbst möglichst klimaschonend wirtschaften. Das fängt beim Einsatz eines ökologischen Putzmittels an und hört bei der sparsamen Heizung auf.

Unterstützen Sie von der Offenen Kirche die Jugendlichen auch auf andere Weise als mit Räumen zum Übernachten?
Ja, wir helfen ihnen Workshops, Versammlungen und Vorträge durchzuführen, bei denen es ums Klima und dessen Schutz geht.

 

 

Zur Person:

Andreas Nufer ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Heiliggeist in Bern und Projektleiter der Offenen Kirche Bern.