Vereinte Nationen

UNO will Weltkarten ersetzen

Die UNO-Generalversammlung spricht sich mit grosser Mehrheit für realistischere Weltkarten aus. Die neue Projektion soll insbesondere die tatsächliche Grösse Afrikas besser abbilden.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat sich für eine stärkere Verbreitung der Weltkarten-Projektion «Equal Earth» ausgesprochen. 164 Staaten stimmten in New York für eine entsprechende Resolution. Die USA votierten dagegen, sechs Länder enthielten sich.

Mit dem Beschluss will die UNO Regierungen, Schulen und Technologieunternehmen dazu ermutigen, Karten zu verwenden, auf denen die Grössenverhältnisse der Kontinente möglichst realistisch dargestellt werden. «Equal Earth» wurde 2018 entwickelt und bildet die Flächenverhältnisse der Erdteile genauer ab als viele verbreitete Weltkarten.

Grönland fast so gross wie Afrika

Hintergrund ist eine Initiative von Togo und der Afrikanischen Union. Sie richtet sich insbesondere gegen die weiterhin häufig verwendete Mercator-Projektion aus dem 16. Jahrhundert. Diese verzerrt die Flächen vor allem in Richtung der Pole stark.

So kann Grönland auf einer Mercator-Karte annähernd so gross wie Afrika erscheinen. Tatsächlich ist Afrika rund 14-mal grösser.

«Karten prägen unser Verständnis der Welt», sagte Togos Aussenminister Robert Dussey nach Angaben der UNO vor der Abstimmung. Die Art der Darstellung beeinflusse auch die kollektive Wahrnehmung.

ETH-Professor: «Im Grunde jede Karte falsch»

Lorenz Hurni, Professor für Kartografie an der ETH Zürich, sagte im April in einem Interview mit dem bref Magazin, dass die gängigen Mercator-Karten gewisse Flächen tatsächlich stark verzerrt darstellen würden. Allerdings seien sämtliche Karten im Grunde «falsche» Abbildungen. Denn es gelte ja, eine dreidimensionale Kugel in eine zweidimensionale Ebene umzusetzen.

Der wichtigste Vorteil der Mercator-Karte, die im 16. Jahrhundert für die Navigation zur See geschaffen wurde, ist ihre Winkeltreue. Das heisst: Ein Winkel auf der Karte entspricht dem Winkel im Gelände. Eine unerwünschte Folge davon ist, dass ein Gebiet umso mehr vergrössert abgebildet ist, je näher es an einem der beiden Pole liegt. (epd/ hz)

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