Welthungerhilfe beklagt katastrophale Lage in Syrien

Millionen von Menschen haben zu wenig zu essen, Geflüchtete müssen bei eisigen Temperaturen in Plastikzelten ausharren: Angesichts der dramatischen Situation in Syrien schlägt die Welthungerhilfe Alarm.

Nach zehn Jahren Krieg geht es den Menschen in Syrien nach Einschätzung von Welthungerhilfe-Koordinator Konstantin Witschel so schlecht wie noch nie in dieser Zeit. Syrien leide unter einer schlimmen Hungerkrise, sagte Witschel am 22. Februar im «Deutschlandfunk». Mehr als zwölf Millionen Menschen, fast 60 Prozent der Bevölkerung, hätten nicht genügend zu essen.

Eltern verzichteten zugunsten ihrer Kinder auf Mahlzeiten, Portionsgrössen würden reduziert, sagte der Syrien-Koordinator der Welthungerhilfe. Familien verschuldeten sich und es komme mittlerweile wieder vermehrt zu Kinderarbeit, zu Zwangs- und Frühverheiratung. «Die humanitäre Lage, wie sie sich in Syrien heute darstellt, ist so schlecht, wie sie bislang eigentlich noch nie war.»

Denn auch wenn die Situation «seit Jahren ja schon katastrophal» gewesen sei, so habe sie sich im vergangenen Jahr noch einmal massiv verschärft. Vor allem im Nahrungsmittelbereich sei das zu beobachten: Zwischen Ende 2019 und Ende 2020 habe sich die Zahl derer, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, um rund 4,5 Millionen erhöht.

Geflüchtete leiden am meisten

Zum Anwachsen der Not beigetragen habe die 2019 begonnene massive Offensive der syrischen Regierung. Dabei seien eine Million Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Auch die Corona-Pandemie und starke Währungsschwankungen, die die Lebensmittelpreise nach oben getrieben hätten, verschlechterten die humanitäre Lage.

Die Geflüchteten treffe es besonders hart. In den Camps fehle es «wirklich an dem Allerallernötigsten», sagte Witschel. Die Menschen lebten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Zelten, die man eigentlich gar nicht Zelte nennen könne: «Das sind Eisenstangen, die mit Plastikplanen abgedeckt wurden.» In einem Lager seien ihm Dutzende Kinder entgegengekommen, die bei eisigen Temperaturen nur Sandalen getragen hätten. Mitten im Winter spiele sich so «in der seit Jahren andauernden Katastrophe eine weitere Katastrophe ab», sagte Witschel. (epd/no)