Corona-Pandemie

Walliser Parlament will Beschränkungen für Gottesdienste aufheben

Äusserst knapp hat der Walliser Grosse Rat ein Postulat angenommen, das eine Lockerung der Corona-Massnahmen für Religionsgemeinschaften fordert. Bei den Reformierten äussert man sich zurückhaltend dazu.

Im Wallis dürfen aktuell nur zehn Personen an Gottesdiensten teilnehmen. Für Beerdigungen sind 30 Personen zugelassen. Der Beschluss der Regierung gilt vorerst bis Ende November. Den Stichtag will die Mehrheit des Grossen Rates aber nicht abwarten: Am 13. November nahm das Kantonsparlament mit 56 gegen 54 Stimmen bei 3 Enthaltungen ein Postulat an, das eine Lockerung der Beschränkungen fordert.

«Eine starre Regel, welche die Anzahl Teilnehmende an einem Gottesdienst auf zehn Personen beschränkt, ohne Berücksichtigung der Schutzkonzepte und der räumlichen Gegebenheiten, widerspricht dem Grundsatz der Kultusfreiheit», heisst es in dem Vorstoss. Vielmehr sollten Massnahmen analog zur ersten Corona-Welle im Frühjahr getroffen werden, welche insbesondere die Platzverhältnisse in den Kirchen berücksichtigten.

Gläubige ziehen vor Bundesgericht

Die strengen Regeln für Religionsgemeinschaften hatten im Wallis hohe Wellen geworfen. So wurde etwa in einer Petition die Frage aufgeworfen, «warum andere Menschen unter bestimmten Bedingungen öffentliche Einrichtungen besuchen können, wenn diese öffentlichen Einrichtungen bei weitem räumlich kleiner sind als die Kirchen.».

Das Schreiben aus katholischen Kreisen richtete sich an den Staatsrat sowie den Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, und wurde von rund 1260 Personen unterzeichnet. Zudem reichte eine Gruppe Gläubige Beschwerde beim Kantonsgericht ein. Nachdem diese Instanz das Anliegen abwies, will die Gruppe nun vor Bundesgericht ziehen, wie der «Walliser Bote» berichtet.

Reformierte setzen auf Dialog

Katholiken klagen gegen Corona-Massnahmen

Nicht nur im Wallis, auch in anderen Kantonen ziehen Gläubige wegen der Einschränkungen für Gottesdienste vor Gericht. Wie das Portal kath.ch berichtet, gibt es entsprechende Klagen in Genf und in der Waadt. In Genf stehen die konservativen Piusbrüder hinter dem Bestreben, im Waadtland eine Gruppe Laien und Priester. (vbu)

Auch bei der Evangelisch-reformierten Kirche Wallis äussert man Bedauern über die Gottesdienst-Beschränkungen. Gleichzeitig habe man aber auch Verständnis, dass es einschneidende Massnahmen brauche, sagt Stephan Kronbichler, Vize-Präsident des Synodalrates. «So sind etwa die Bestattungsunternehmen wegen der Corona-Pandemie bereits am Anschlag. Es scheint uns klar, dass die Regierung in so einer Situation handeln muss.»

Zum Postulat und zur Klage äussert sich Kronbichler nicht. Die Kirche sei neutral und mische sich nicht in Belange ein, welche die Politik oder die Gerichte betreffen. Vielmehr setze man auf einen Dialog mit den entsprechenden Akteuren. «Das hat bisher gut funktioniert», sagt Kronbichler. So sei etwa die grosszügigere Regelung für Beerdigungen auf eine gemeinsame Intervention von katholischer und reformierter Kirche beim Staatsrat zurückzuführen.

Nach dem Parlamentsentscheid ist nun die Walliser Regierung am Zug. Sie muss entscheiden, wann und wie sie die Obergrenze für Gottesdienste aufheben will. (vbu)