Während des Lockdowns gab es viel Alterssolidarität

Ein Umfrage von Pro Senectute zeigt, dass über 70 Prozent der älteren Menschen eine Verbesserung der Generationensolidarität während des Lockdowns erlebten. Skeptisch sind die Befragten, wie lange der Zuspruch anhält.


Zu Beginn der Coronakrise wurde zu Solidarität gegenüber älteren Menschen als besonders Gefährdeten aufgerufen. Nachbarschaftshilfen entstanden, junge Menschen gingen für ältere einkaufen. Eine Umfrage der Fachorganisation für das Alter, Pro Senectute Schweiz, zeigt nun, dass dieser Generationenzusammenhalt funktioniert hat. Viele Ältere sind aber unsicher, ob das Verhältnis zwischen jung und alt langfristig unter der Krise leiden könnte.

Obwohl die älteren Menschen seit Beginn der Corona-Pandemie besonders geschützt und daher auch unterstützt werden mussten, sind über 50-Jährige grossteils nicht der Meinung, dass die Pandemie und die ergriffenen Massnahmen zu einer Stigmatisierung älterer Menschen geführt haben. Das zeigt eine am 28. Mai veröffentlichte repräsentative Studie der Organisation. 73 Prozent gaben demnach an, dass die Generationensolidarität während des Lockdowns kurzfristig sogar besser wurde.

Unterstützung von Familie

Rund drei Viertel im Alter ab 75 Jahren sagten, dass sie Unterstützung erhalten haben. Hochgerechnet entspricht dies gemäss Pro Senectute einer halben Million Menschen ab 75 Jahren in der Schweiz. Etwas weniger Unterstützung bekamen die 65- bis 74-Jährigen, da sind es noch 56 Prozent.

Ein Grossteil (67 Prozent) wurde von Familienangehörigen unterstützt, andere von Nachbarschaftsinitiativen (19 Prozent), Freunden (12 Prozent) oder Organisationen (6 Prozent). Diese Unterstützungsformen zeigen die «grosse Bedeutung enger sozialer Netze» in Krisensituationen und im Alltag, folgert der Direktor von Pro Senectute Schweiz in der Mitteilung.

Sorge vor negativem Bild der Älteren

Die Frage, wie lange dieser Zuspruch für die Generationensolidarität anhalten könnte, wurde von den Befragten jedoch weniger positiv beurteilt. Ein Drittel – hochgerechnet 1,1 Millionen Menschen – kann die Frage zwar nicht beantworten, ob das Altersbild bei jüngeren Menschen langfristig Schaden nehmen könnte. Pro Senectute geht aber aufgrund der Umfrage von hochgerechnet 700’000 Menschen aus – insbesondere der Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren – die sogar glauben, dass es zu einer negativen Entwicklung kommen wird.

Diese Unsicherheit bei hochgerechnet fast 2 Millionen Menschen will Pro Senectute ernst nehmen. Die Fachorganisation will Gegensteuer geben, sollte sich der Trend weiter in diese Richtung entwickeln. Schliesslich fusse das Erfolgsmodell Schweiz auf einem einvernehmlichen Miteinander der Generationen, heisst es in der Mitteilung.

Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut gfs Zürich während der vergangenen drei Wochen über 1200 Personen im Alter ab 50 Jahren befragt. (sda/bat)