Jubiläum

Vor 600 Jahren begann der Bau des Berner Münsters

Bis das Berner Münster in heutiger Form stand, dauerte es Jahrhunderte. Der Grundstein dazu wurde vor genau 600 Jahren gelegt. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Jubiläumsfeierlichkeiten allerdings verschoben werden.

Am Hauptportal des Berner Münsters ist noch heute die Inschrift zu lesen: «In dem iar nach der geburt xpi (Christi) 1421 am 11. Tag maertze ward der erste stein gelegt an diser kilchen». Am Donnerstag vor 600 Jahren begannen also die Arbeiten an diesem Bauwerk, das zu den kunsthistorisch bedeutendsten der Schweiz gehört.

Den Grundstein legten die höchsten Vertreter der weltlichen und geistlichen Macht jener Zeit in Bern. Es waren Schultheiss Rudolf Hofmeister und der Deutschordensleutpriester Johannes von Thun, wie Berns Stadtarchivar Roland Gerber kürzlich in der Berner «BrunneZytig» festhielt.

Als erstes baute man den Chor, und zwar an einer Stelle, welche exakt dem Berner Rathaus gegenüberliegt. Dieses war kurz zuvor hochgezogen worden. Nördlich der zentralen Berner Gerechtigkeitsgasse sollte die weltliche Macht zuhause sein, südlich die kirchliche. Bauherr des Münsters war der Staat Bern. Den Münsterwerkmeister holte man aus Strassburg.

Das Münster sollte andere Kirchen überragen

Gebaut wurde, weil die sogenannte Leutkirche, die Vorgängerkirche des Münsters, zu klein sowie baufällig geworden war. Bern wollte aber auch ein Kirchengebäude, welches den stetig steigenden Einfluss des Stadtstaats widerspiegeln sollte, der bald zum grössten nördlich der Alpen werden sollte. 1415 hatte Bern den Aargau erobert und erhielt vom deutschen König Sigmund Privilegien.

Das Berner Münster sollte deshalb grösser werden als jene der Zähringischen Schwesterstadt Freiburg im Üechtland und von Lausanne. Die Kathedrale von Lausanne übertrifft das Berner Münster laut der Berner Münster-Stiftung in der Längenausdehnung.

Nur wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten

Bis die neue Berner Kirche in der heutigen Form stand, dauerte es Jahrhunderte. Oberes Achteck und Helm des Münsterturms wurden erst zwischen 1889 und 1893 errichtet. Im Originalzustand befindet sich aber nur wenig.

«Als Resultat fortwährender grosser Renovationskampagnen ist der Anteil mittelalterlicher Bausubstanz im Aussenbereich heute verschwindend klein», schreibt Münsterarchitektin Annette Loeffel in einem kürzlich erschienenen Buch zu den Anfängen des Münsters. Aus den Anfängen sind etwa noch Steine im Innern und drei Fenster des Chors.

Der ehemalige bernische Denkmalpfleger Jürg Schweizer hat das Berner Münster als bedeutendstes spätgotisches Gesamtkunstwerk der Schweiz bezeichnet.

Fest um ein Jahr verschoben

Vier Tage lang, vom 11. bis zum 14. März dieses Jahres, wollten die Münsterkirchgemeinde und die Münster-Bauleute die Grundsteinlegung feiern. Auf dem Programm stand viel Musik, etwa ein Festkonzert, Morgenandachten verschiedener Konfessionen, Führungen und ein Festgottesdienst.

All dies ist wegen der Coronapandemie auf März 2022 verschoben worden. Wie der Präsident des eigens fürs Jubiläum gegründeten Vereins 600 Jahre Berner Münster, Thomas Iseli, zu Keystone-SDA sagte, wird am 11. März lediglich eine Glockenspiel-Komposition des Münsterorgannisten Daniel Glaus dargeboten. Sonst nichts.

Gottesdienste im Provisorium

Auch im Jubiläumsjahr des Berner Münsters wird an ihm gearbeitet. 120 Jahre nach der letzten Restaurierung muss das Gewölbe des Mittelschiffs umfassend konserviert und gereinigt werden. Zu diesem Zweck ist eine Holzdecke unter dem Gewölbe eingebaut worden und die oberen Fenster sind verdeckt. Die Bänke wurden in die Seitenaltäre verschoben, der ganze Kirchenraum wirkt leer.

Diese Arbeiten passten sehr gut zum 600-Jahr-Jubiläum der Grundsteinlegung, schrieb die Münster-Stiftung kürzlich. 1528, bei der Reformation, sei nämlich die Münsterbaustelle stillgelegt worden. «Während zwei Generationen fanden die reformierten Gottesdienste in einem unfertigen Münster unter einer provisorischen Holzdecke statt.» Dieser Zustand lasse sich nun nachempfinden. Erst 1571 entschieden sich die Berner, am Münster weiterzubauen. 1575 war das Gewölbe über dem Mittelschiff eingebaut. (sda/no)