Nach 120 Jahren

Gewölbe im Berner Münster muss restauriert werden

Im Mittelschiff des Berner Münsters wird zu Beginn des kommenden Jahres ein riesiges Gerüst aufgestellt. Denn 120 Jahre nach der letzten Restaurierung muss das Gewölbe umfassend konserviert und gereinigt werden.

Die Restaurierungsarbeiten im Mittelschiffgewölbe dauern bis Ende des Jahres 2024, wie die Berner Münster-Stiftung am 22. Oktober mitteilte. In dieser Zeit bleibt die wichtigste Berner Kirche aber offen und benutzbar, weil das Gerüst auf den Seitenwänden abgestützt werden kann.

Nur bei der Installation in den Monaten Januar und Februar 2021 wird die Nutzung des Münsters eingeschränkt. Doch auch in dieser Zeit können die Gottesdienste stattfinden. Sie werden im Chor abgehalten. Da das Gerüst die Fenster des Obergadens bedecken wird, wird Kunstlicht das Tageslicht verstärken.

Ziel der Restaurationsarbeiten ist, das Chorgewölbe zu konservieren und dem Kirchenraum seine frühere Helligkeit wiederzugeben. Die Decken des Chors und der Seitenkappellen sind bereits gereinigt worden.

Vorgehen wie beim Chor

Vom Gewölbe des Mittelschiffs waren in den letzten Jahren immer wieder Teile von Putz vom Gewölbe heruntergefallen, was den Verantwortlichen Sorgen bereitete. Zudem hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel Schmutz angesammelt, was eine Gefahr für die Malereien darstellt.

Bei der Restaurierung des Chorgewölbes in den Jahren 2015 bis 2017 gewannen die Fachleute vom damals errichteten Gerüst aus Erkenntnisse zum Zustand des Dachs des Mittelschiffs. Im Mai dieses Jahres wurde ein Gerüstturm hochgezogen, von dem aus die Decke untersucht wurde. Es zeigte sich, dass das Mittelschiffgewölbe letztmals vor 120 Jahren restauriert wurde, eine Konservierung angezeigt ist und die Reinigung des Gewölbes wie beim Chor erfolgen kann.

Raumgefühl wie in den ersten Jahren

Das Gerüst wird just in der Zeit des Jubiläums «600 Jahre Berner Münster» hochgezogen. Im März 1421 wurde der Grundstein zum Münster gelegt und im März des kommenden Jahres laden Münster-Bauleute und die Münster-Kirchgemeinde zu einem viertägigen Jubiläumsfest.

In ihrer Mitteilung bezeichnet die Münster-Stiftung diesen Umstand als «interessant». Dies deshalb, weil das Gerüst den Besucherinnen und Besuchern der Kirche einen Eindruck vermittle vom Zustand, welchen das Münster in der frühen Bauzeit rund 150 Jahre lang aufgewiesen habe. Nach der Grundsteinlegung hätten nämlich lange Zeit Provisorien geherrscht. So sei der Vorgängerbau nicht gleich abgebrochen und bei der Reformation von 1528 seien die Bauarbeiten unterbrochen worden. Während zweier Generationen hätten die Gottesdienste in einem unfertigen Münster unter eine provisorischen Holzdecke stattgefunden.

Wappen statt Heilige

An diese provisorische Holzdecke der Anfänge wird nun laut der Münster-Stiftung der Gerüstboden erinnern. Erst 1573 wurde das Mittelschiff überwölbt. Anders als im Chorgewölbe wurden dort nicht Heiligenbüsten angebracht, sondern die grossformatigen Wappen der Männer, die damals die wichtigsten Staatsämter besetzten. (sda)