In der Handreichung der Zürcher Landeskirche zum Thema Glocken steht: «Machen Sie keine Frage von Sein oder Nichtsein aus dem Glockengeläut.» Machen Sie nicht genau das, indem Sie den Entscheid weiterziehen?
Peter Meier: Nein, überhaupt nicht. Wir waren immer im Gespräch mit allen Beteiligten, insbesondere den Wädenswiler Behörden, die übrigens auch wollen, dass der Entscheid weiter gezogen wird. Wir haben nicht auf stur geschaltet, sondern sind einen Kompromiss eingegangen, indem wir das Frühgebets-Läuten von sechs auf sieben Uhr verschoben haben. Das hat aber einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Weshalb?
Es gibt sehr viele Leute, die das Geläut schätzen und nicht verstehen, dass wir hier Kompromisse eingehen. Ich habe erzürnte Mails erhalten. Wir haben eine breite Unterstützung, und auch deshalb sehen wir uns bestärkt, den Entscheid weiterzuziehen. Für viele ist übrigens der Fluglärm störender, der bereits um sechs Uhr morgens beginnt. Die Katholiken haben ihr Geläut in der Nacht in Wädenswil bereits abgeschaltet. Die Reformierten sind die einzigen, die in der Nacht noch läuten.
Es gibt also auch Druck von der anderen Seite?
Druck würde ich es nicht nennen. Aber es wird von vielen Leuten erwartet, dass wir uns für unser Glockenläuten stark machen. Die Unterstützung in Wädenswil ist riesig. Aber man kann es nicht allen recht machen. Wir sind auf einer Gratwanderung, wir fühlen uns einerseits der Tradition verpflichtet, wollen andererseits aber auch keine lärmempfindlichen Personen verärgern.
Theologisch gesehen ist das Glockengeläut nicht notwendig.
Das wissen wir. Auch deshalb sind wir nicht stur. Aber wie gesagt: Es gibt auch eine schützenswerte Tradition.
In der Handreichung steht auch, man solle mit den Menschen das Gespräch suchen, die sich von den Glocken gestört fühlen. Haben Sie das gemacht?
Ja, wir haben mit den Rekurrenten mehrere Gespräche geführt, aber auch mit den Katholiken und den Behörden geredet. Ich glaube, wir sind vorsichtig und umsichtig vorgegangen. Aber der Kompromiss des Baurekursgerichts bringt niemandem etwas. Er lässt die vollen Stundenschläge ja immer noch zu.
Trotzdem ist der Weiterzug ein Risiko. Der Schuss könnte nach hinten losgehen, wenn das Verwaltungsgericht und später auch das Bundesgericht den Entscheid bestätigen.
Nichts machen ist auch ein Risiko. Das Urteil ist schon jetzt ein Präzedenzfall, hat eine Signalwirkung und damit Folgen für andere Kirchgemeinden. Wir glauben, dass das Verwaltungsgericht uns recht geben wird. Von daher ist der Weiterzug auch eine Chance.