Vereinte Nationen rufen zu Solidarität auf
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat in Genf zu mehr Solidarität weltweit aufgerufen. Anlass war die Feier zum 75. Jahrestag der Allgemeinen Menschenrechtserklärung. «Die Verfasser der Erklärung überwanden geopolitische Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Differenzen», sagte er. «Sie liessen viele schreckliche Streitigkeiten beiseite, um diesen Text zu verfassen, der den Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit erhellt.»
In Podiumsdiskussionen prangerten Vertreterinnen indigener Völker und unabhängige UN-Experten den Graben zwischen Arm und Reich innerhalb von Gesellschaften und zwischen den Ländern an. So blieben die Menschenrechte für viele Menschen eine Wunschvorstellung. Das Thema finanzielle Wiedergutmachung müsse auf dem Tisch bleiben: im Zusammenhang mit Kolonialverbrechen, aber auch mit dem menschengemachten Klimawandel. Für diesen seien über Jahrzehnte hinweg fast nur die westlichen Industrieländer mit ihren Treibhausgasausstössen verantwortlich gewesen.
Die Erklärung habe Befreiungsbewegungen beflügelt, sagte Türk. Gleichzeitig seien ihre Werte zu oft verraten worden. «Meine Gedanken sind bei den Millionen Menschen, die unerträglich leiden, in den besetzten palästinensischen Gebieten, vor allem Gaza, in Israel, im Sudan, in der Ukraine, in Myanmar und an vielen anderen Orten.» Er begann die Veranstaltung mit einer Schweigeminute für Opfer von Menschenrechtsverletzungen.
Die am 10. Dezember 1948 von den damaligen Mitgliedern der gerade gegründeten Vereinten Nationen angenommene Erklärung gilt als Meilenstein der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie schreibt in 30 Artikeln unter anderem die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie Meinungs- und Versammlungsfreiheit und Schutz vor Staatswillkür fest. Die Erklärung wurde von einem Ausschuss mit Vertretern aus zahlreichen Ländern formuliert, darunter China. Vorsitzende war Eleanor Roosevelt, die Frau des 1945 verstorbenen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. (sda/ dpa/ no)