Sexueller Missbrauch

US-Baptisten veröffentlichen Täterliste

Laut einem Untersuchungsbericht sind Opfer von sexuellem Missbrauch in Baptisten-Gemeinden in den USA ignoriert und eingeschüchtert worden. Nun hat der Südliche Baptistenverband eine Liste mit den Namen von Tätern publiziert.

Der Südliche Baptistenverband hat eine bislang geheim gehaltene Liste verurteilter und mutmasslicher Missbrauchstäter aus den eigenen Reihen veröffentlicht. Das insgesamt 205 Seiten lange Dokument enthält Namen von rund 600 Pastoren und Kirchenmitarbeitern sowie Hinweise auf Medienberichte über die Fälle.

Die Veröffentlichung der Liste erfolgte einige Tage nach Erscheinen eines unabhängigen Untersuchungsberichtes mit schweren Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfen gegen Vertreter der Kirche. Der vor rund einer Woche publizierten Untersuchung zufolge haben Pastoren der grössten protestantischen Kirche der USA Missbrauchsopfer jahrelang ignoriert, eingeschüchtert und diffamiert. Durch den Bericht der Ermittlungsfirma Guidepost Solutions wurde auch die Existenz der Liste bekannt.

Vor drei Jahren hatte ein Missbrauchsskandal im Südlichen Baptistenverband das Land erschüttert. Recherchen amerikanischer Medien hatten damals aufgedeckt, dass Hunderte von Kindern und Jugendlichen über Jahre hinweg von Kirchenvertretern missbraucht worden waren. Laut dem Untersuchungsbericht wurden die Fälle jahrelang vertuscht. Unter anderem heisst es darin, manche der Führungskräfte der Baptisten seien mehr am Schutz ihrer Institution interessiert gewesen als am Aufdecken von Missbrauch.

Die nun publizierte Liste mit den Namen mutmasslicher Täter solle zeigen, dass der Southern Baptist Convention (SBC) sexuellen Missbrauch ernst nehme, sagte der Vorsitzende des SBC-Exekutivausschusses, Rolland Slade, im kirchlichen Informationsdienst «Baptist Press». Mitte Juni treffen sich die Delegierten in Anaheim (Kalifornien) zur Jahreskonferenz. Dabei sollen auch Empfehlungen im Missbrauchsbericht, unter anderem zu Entschädigungen von Betroffenen, debattiert werden.

Die Südlichen Baptisten gelten in den USA als Teil der politisch und theologisch konservativen weissen evangelikalen Bewegung. Frauen dürfen im Verband nicht Pastorinnen werden. Der Verband wurde 1845 durch die Abtrennung von anderen Baptisten gegründet, die die Sklaverei ablehnten. (epd/no)