Basler Reformierte auf der Suche nach einem Kompromiss

Die Synodalen der Evangelisch Reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK-BS) haben am Freitag, 28. April, einmal mehr über die künftige Verteilung der sinkenden Steuereinnahmen beraten. Ein Konvergenzmodell soll nun die Konflikte der vergangenen Monate entschärfen.

Dunkle Wolken über der Gellertkirche vor Beginn der Synode. Aber das Gewitter blieb aus. (Bild: Marianne Weymann)

Die Stimmung war angespannt vor Beginn der Abendsitzung der Synode zur Kirchenentwicklung. Zu verhärtet schienen die Fronten, zu unvereinbar das Modell der Planungskommission der Synode mit demjenigen des Kirchenrats.

Zur Geschichte: Die Evangelisch Reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK-BS) leidet an einem rasanten Mitgliederschwund. Wenn die Prognosen stimmen, wird sie 2025 nur noch 20‘000 statt heute 30‘000 Mitglieder zählen, die Steuereinnahmen würden von 18 auf 12 Millionen sinken. Als Antwort auf den Abwärtstrend legte der Kirchenrat der Herbstsynode 2015 das Dokument «Perspektiven 2015–2025» (P 25) vor. Demnach sollte die künftige Zuteilung der Gelder nicht mehr von der Mitgliederzahl, sondern mehr von anderen Faktoren wie Gottesdienstbesuch und Eigenleistungen im Fundraising bestimmt sein.

Damit hätten finanzstarke und aktive Gemeinden wie die Münstergemeinde und die dazugehörende evangelikal geprägte Gellertkirche gegenüber traditionelleren Quartiergemeinden einen Vorteil gehabt. Der Vorschlag des Kirchenrats stiess allerdings nicht auf Gegenliebe: Im Sommer 2016 beantragten 24 Synodale, dass die Verteilung unter den Gemeinden weiterhin «grundsätzlich im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl» geschehen sollte. Diesen Antrag vertrat am Freitagabend die Planungskommission der Synode.

«Die Kirche wird abgewickelt»

Trotz Zugeständnissen von beiden Seiten konnten die Parteien sich bisher nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Das wurde auch an diesem Abend sichtbar: Stefan Wenk von der Planungskommission beklagte die mangelnde Transparenz des Kirchenrats, der jetzt schon die Mittel nach nicht nachvollziehbaren Kriterien verteile. Der Vorschlag der Planungskommission sei transparent, weil er auf Zahlen beruhe, und stärke zudem die Gemeindeautonomie.

Kirchenrätin Brigitte Gysin warf dagegen der Planungskommission die «Abwicklung der Kirche» vor. Die Geldverteilung werde auf diese Weise «zur leeren Mechanik ohne Gestaltungsziel». Um eine lebendige Kirche zu ermöglichen, bräuchten Kirchgemeinden mit mehr aktiven Mitgliedern eine grössere Förderung. «Wir wollen Kirche da ermöglichen, wo die Menschen sie wünschen», sagte die Kirchrätin.

Ein dritter Weg?

An diesem Abend wurde aber auch noch ein dritter Weg aufgezeigt. Leonhard Müller, Präsident der Kirchgemeinde Basel West, stellte ein «Konvergenzmodell» vor, das Vertreter beider Seiten bedenkenswert fanden. Bei den beiden anderen Modellen gebe es immer «Gewinner und Verlierer», sagte Müller. Das gefährde den Zusammenhalt der Kirchengemeinden. Aber: «Wir sind in der ERK-BS nicht in einer Situation, in der wir uns interne Grabenkämpfe leisten könnten.»

Das Konvergenzmodell sieht einen für alle Gemeinden nach Mitgliederzahl berechneten Sockel für die Grundversorgung vor. Förderbeiträge für «spezielle Schwerpunkte und Projekte mit besonderem Zukunftspotenzial» würden in einem dafür angelegten Fonds bereitgestellt. Hier würde auch die Beschaffung von zusätzlichen Mitteln durch die Kirchgemeinde ins Gewicht fallen. Die Synode gäbe die strategischen Richtlinien für zu fördernde Projekte vor, dem Kirchenrat obläge die operative Verteilung. Damit würden Initiativen gestärkt, aber weniger initiative Gemeinden hätten keinen Nachteil.

Gestärktes Vertrauen

Die folgende Diskussion in Arbeitsgruppen wurde von allen Beteiligten positiv bewertet. Nicht weil jetzt die Lösung auf dem Tisch läge, sondern weil überhaupt ein sachlicher Austausch stattfinden konnte. «Wir haben es sehr geschätzt, dass die Diskussion wieder in Gang gekommen ist», so ein Synodaler. Die Gespräche hätten zu einem besseren Verständnis der einzelnen Standpunkte geführt und das Vertrauen in das Vorgehen der Synode und des Kirchenrats gestärkt.

Die Frage ist jetzt, wie es weitergeht. Die Zeit ist knapp, bis zur Sommersynode im Juni muss ein mehrheitsfähiges Konzept stehen. Denn nur wenn dann klar ist, in welche Richtung es gehen soll, kann im Herbst das Planungsbudget für die nächsten vier Jahre beschlossen werden. Und wenn sich nicht bald etwas ändert, kann die ERK-BS ab 2022 die Löhne ihrer Mitarbeitenden nicht mehr bezahlen.