Jubiläum

Keine Feierlaune beim UN-Flüchtlingshilfswerk

Das UN-Flüchtlingshilfswerk wurde vor 75 Jahren gegründet. Das Jubiläum falle in eine «unglaublich schlimme» Phase, sagt der UNHCR-Chef.

Beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Genf herrscht keine Feierlaune. Das UNHCR wurde vor 75 Jahren am 14. Dezember 1950 von der UN-Vollversammlung gegründet, doch das Jubiläum fällt in eine bedrückende Zeit. Die Helfer müssen mit schrumpfenden finanziellen Mitteln einer wachsenden Zahl Bedürftiger beistehen.

Von 2006 bis 2025 erhöhte sich die Zahl der Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Unterdrückung nahezu jedes Jahr. Derzeit sind es 117 Millionen Kinder, Frauen und Männer, von denen jedoch nicht alle unter das UNHCR-Mandat fallen.

Drastische Kürzungen

Zudem muss das UN-Hilfswerk das internationale Schutzsystem für Vertriebene und die Flüchtlingskonvention von 1951 gegen immer stärkere Angriffe verteidigen. Filippo Grandi, Hochkommissar für Flüchtlinge und UNHCR-Chef, warnt: Das Hilfswerk durchschreite eine «unglaublich schlimme» Phase.

In seiner letzten Rede beklagte der Ende Jahr abtretende Hochkommissar Grandi die prekäre Finanzlage des UNHCR. Die USA unter Präsident Donald Trump und andere Länder streichen die Überweisungen zusammen. Aktuell geht man laut Grandi davon aus, das Jahr 2025 mit verfügbaren Mitteln in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar abzuschliessen. «Das bedeutet einen Rückgang von 1,3 Milliarden US-Dollar gegenüber 2024 – oder rund 25 Prozent weniger.»

Südsudan: Schutzeinrichtungen geschlossen

Letztmals verfügte das UNHCR im Jahr 2015 über eine Summe von knapp vier Milliarden US-Dollar. Damals jedoch befanden sich wesentlich weniger Menschen auf der Flucht als heute. Der Finanzengpass zwang Grandi bereits, fast 5000 der 18'000 UNHCR-Mitarbeiter zu kündigen. Unter den Entlassenen befinden sich sowohl Angestellte der Zentrale in Genf als auch Helfer in den Konfliktgebieten rund um den Globus.

Am schlimmsten trifft das Minus aber die Millionen geflüchteten Kinder, Frauen und Männer. Sie erhalten weniger oder gar keine Unterstützung mehr. Ein Beispiel für die verheerenden Folgen ist der Südsudan. Das UNHCR musste drei Viertel der Schutzeinrichtungen für Frauen und Mädchen schliessen. Bis zu 80'000 Opfer von Vergewaltigung und Konflikt müssen deshalb ohne medizinische Versorgung, Rechtsbeistand und wirtschaftliche Unterstützung auskommen. (epd/ gab)

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