Armut

Über 700 Obdachlose in Genf

In Genf haben schätzungsweise hunderte Menschen kein Dach über dem Kopf. Die grosse Mehrheit der Obdachlosen sind Migrantinnen und Migranten, das ist eine Besonderheit von Genf.

730 Menschen leben in Genf auf der Strasse. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Genf, die erstmals Daten zum Thema erhoben hat. Die Zahl sei anhand von im März in Obdachlosenunterkünften erhobenen Informationen berechnet worden, teilte die Universität Genf am Dienstag mit. Die Zahl der tatsächlich auf der Strasse schlafenden Personen wurde auf der Grundlage einer Studie von Basler Soziologen und Angaben von Genfer Vereinen hochgerechnet.

Die Studienautoren erstellten auch ein Profil der Obdachlosen. Fast neun von zehn dieser Menschen in Genf haben keinen Aufenthaltsstatus, und mehr als die Hälfte hält sich erst seit mindestens sechs Monaten in der Calvin-Stadt auf. Personen mit Aufenthaltsstatus machen nur 13,1 Prozent der Nutzer von Notunterkünften aus.

Hohe Zahl von Migranten nur in Genf

Dieser höhere Anteil von Migranten unter den Obdachlosen ist eine Besonderheit von Genf. Anderswo betrifft die Obdachlosigkeit eine eher lokale Bevölkerung. «In der Deutschschweiz zum Beispiel gibt es viele Menschen, die einen Bruch in ihrem Leben hatten», erklärt der Berater Thomas Vogel, der an der Studie mitgearbeitet hatte.

Die Studie wurde von der Stadt Genf in Auftrag gegeben, die bislang einen Grossteil der Kosten für die Betreuung von Obdachlosen im Kanton stemmt. Erst Anfang Monat hat das Kantonsparlament die Betreuung von Obdachlosen in einem neuen Gesetz geregelt. Dieses legt die Zuständigkeiten der Gemeinden und des Kantons in diesem Bereich fest. Die genaue Aufteilung der Kosten zwischen Kanton und Gemeinden muss aber noch geklärt werden.

Kanton übernimmt Gesundheitsversorgung

Neu sind die Gemeinden ausschliesslich für die Notunterkünfte und die Verteilung der Mahlzeiten zuständig. Zudem bieten die Gemeinden eine erste soziale Unterstützung für Obdachlose. Der Kanton ist zuständig für die Gesundheitsversorgung, einschliesslich der Krankenpflege und der mobilen ambulanten Sprechstunden. Verfügt eine Gemeinde über keine geeignete Struktur, kann sie die Aufgabe an eine andere Gemeinde oder an eine private Einrichtung delegieren. (sda/mos)