Über 2000 Seiten in 11 Tagen gelesen

In der Titus Kirche der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt wird die gesamte Bibel vorgelesen. Beim Lesen entstehe eine berührend intime Atmosphäre, so die Organisatoren.

Jeder darf die Bibel in Basel vorlesen. Nicht nur Pfarrpersonen wie hier Pfarrerin Monika Widmer. (Bild: zVg)

Es ist ein regelrechter Lese-Marathon, den die reformierte Kirche in Basel-Stadt vom 2. bis 12. Februar veranstaltet. In 11 Tagen wird die Bibel komplett gelesen – von 1. Mose 1,1 bis Offenbarung 22,21. Jeden Tag von 7 bis 21 Uhr.

Wie sich zeigt, ist das Interesse am Vorlesen gross. «Es gibt nur noch wenige Zeitfenster, die offen sind», sagt der reformierte Seelsorger Samuel Sarasin, der unter anderem für das Projekt verantwortlich ist. Insgesamt hätten sich rund 50 Personen fürs Vortragen angemeldet. Manche würden gleich mehrere Bibelstellen lesen. Auch Sarasin selbst hat bereits Stellen vorgetragen. «Es waren die Gesetzestexte des Levitikus‘. Ich fand sie etwas anstrengend», sagt Sarasin.

Viel lieber höre er den Bibeltexten zu. Wenn fünf oder sechs Leute im Raum dem gleichen Text lauschen, entstehe eine berührend intime Atmosphäre. «Es ist ein anderes Erleben des Textes», sagt Sarasin. «Beim Zuhören fallen mir mehr Details auf. Ich schweife bei unangenehmen oder langweiligen Texten auch nicht so leicht ab, wie wenn ich sie für mich selber leise lesen würde.»

Bibeltexte lebendig werden lassen

Spannend sei auch, dass man den vollständigen Text höre und nicht nur – wie so oft in der Kirche – einzelne Auszüge. «Dadurch fügt sich beim Zuhörer der Text zu einem Gesamtbild zusammen», sagt Sarasin.  Ziel der Veranstaltung sei, die Bibeltexte wieder bekannter und auch lebendiger werden zu lassen. Anders als in den vergangenen Jahren findet das Bibellesen in Kooperation mit OFFLine, dem ökumenischen Zentrum für Meditation und Seelsorge, und mit der Pfarrei Heiliggeist, statt.

Zur Verfügung steht den Vorlesern eine Zürcher Bibel mit ihren 2224 Seiten. Manche würden aber ihre eigene Bibel aus der Konfirmation oder mit der Luther-Übersetzung mitbringen. Vorgelesen wird nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Sprachen und Dialekten wie Berndeutsch, Romanisch, Polnisch oder Portugiesisch. Noch kann den Texten lediglich vor Ort gelauscht werden. Einen Stream im Internet gibt es nicht. «Diesen richten wir dann vielleicht bei der nächsten Veranstaltung ein», sagt Sarasin. (bat)

Das Bibel-Lesen in der Titus Kirche findet noch bis zum 12. Februar statt. Begleitend zu den Lesungen ist im Saal eine Ausstellung zur Bibel einzusehen. Faksimiledrucke und Bibeln aus verschiedenen Epochen und in verschiedenen Sprachen geben einen Eindruck von der Geschichte und der Verbreitung der Bibel. Mehr Informationen gibt es unter www.offline-basel.ch