Zürcher Fusionsprojekt nimmt nächste Hürde

Die reformierten Stadtzürcher Kirchgemeinden haben einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Fusion genommen: 30 Gemeinden haben dem Vertrag zum Zusammenschluss zugestimmt.

Anstelle der bisher 34 Kirchgemeinden soll es in Zürich ab 2019 zehn Kirchenkreise geben. (Bild: public domain)

Bis am 1. Januar 2019 sollen sich die 34 Kirchgemeinden der Stadt Zürich zu einer einzigen zusammenschliessen. Nun haben die Stimmberechtigten der betroffenen Gemeinden im Mai und Juni an Kirchgemeindeversammlungen über den Vertrag abgestimmt. Dieser regelt den Zusammenschluss. Das Resultat: Dreissig Kirchgemeinden stimmten dem Vertrag zu, drei sagten Nein und in einer Kirchgemeinde muss wegen eines Verfahrensfehlers die Abstimmung wiederholt werden. Für das Zustandekommen des Zusammenschlusses war die Zustimmung von mindestens 24 Kirchgemeinden nötig. Entsprechend zufrieden zeigt sich Andreas Hurter, Präsident des Stadtverbandes Zürich: «Ich bin hocherfreut über dieses klare Ergebnis.»

«Ein Vertrag, der nichts regelt»

Weniger glücklich mit dem Ausgang der Abstimmung ist man vor allem in Zürich-Nord: Nebst Witikon erteilten die Kirchgemeinden Hirzenbach und Oerlikon dem Vertrag eine Absage. Die Oerliker Kirchenpflegepräsidentin Fabienne Vocat nennt mehrere Gründe für die Ablehnung und hält sich nicht zurück mit Kritik: Der Vertrag sei «zwar sehr schön geschrieben, aber auch sehr vage». Man kaufe quasi die Katze im Sack. «Mir kam es vor, als wenn ich einen Mietvertrag für eine Wohnung unterschreiben müsste, ohne die Anzahl der Zimmer und die Höhe der Miete zu kennen.» So wisse man beispielsweise nicht, wie viel Geld für die effektive Kirchenarbeit in Zukunft übrig bleiben werde. Vocat gesteht zwar ein, dass man 2014 in einem demokratisch legitimierten Grundsatzentscheid dem Zusammenschluss zugestimmt habe. Sie findet es aber «happig», dass drei Jahre später ein Vertrag vorliegt, «der faktisch nichts regelt und den man kritiklos hinnimmt.» Vocat hofft, dass nun «Argumente, die man bisher nicht ernst genommen hat», gehört werden.

«Ein Gewinn für die Gemeinde»

«Es sind noch viele Fragen offen», sagt denn auch Andreas Hutter vom Stadtverband. Diese gehörten aber nicht in den Zusammenschlussvertrag, sondern müssten in der Kirchgemeindeordnung Eingang finden, die noch zu erarbeiten sei. «Ich verstehe auch ein Nein und will jene Überlegungen, die zur Ablehnung geführt haben, abholen und ernst nehmen». Es gehe aber auch darum, den Mehrheitsentscheid nun umzusetzen. «Ja, die Kirchgemeinden verlieren wohl ein Stück weit Autonomie», so Hurter. Auf der anderen Seite habe eine Gemeinde auch einen Gewinn, weil durch die Zusammenarbeit in einer grösseren Struktur das Wohl aller verbessert werden könne.

Enger Zeitplan

So oder so, der Zeitplan bis zur definitiven Fusion ist ambitioniert: Der Vorstand des Stadtverbandes will noch vor den Sommerferien beim Kirchenrat den Antrag für den Zusammenschluss einreichen. Geplant ist, dass die kantonale Synode im Herbst über den Zusammenschluss befinden kann. Ein Jahr später wiederum soll dann die neue Kirchgemeindeordnung vors reformierte Zürcher Stimmvolk kommen.