Reformierte Kirche Kanton Luzern
Studie zählt 29 Grenzverletzungen
Die Reformierte Kirche des Kantons Luzern hat in einer externen Studie die Risiken und Erfahrungen mit physischen, psychischen, sexuellen und spirituellen Grenzverletzungen untersucht. Dabei wurden 29 Situationen als grenzverletzend eingestuft, teilte die Kirche in einem Mediengespräch mit.
Für die Studie, die das Meinungsforschungsinstitut gsf.bern vom 14. Januar bis 4. Februar durchführte, wurden rund 4000 Mitglieder angeschrieben. 774 Personen im Alter von 16 bis 90 Jahre nahmen teil.
92 Prozent der Befragten gaben an, bislang keine persönlichen Erfahrungen mit Grenzverletzungen gemacht zu haben. Vier Prozent wussten es nicht oder machten keine Angabe, ebenso viele berichteten von entsprechenden Erfahrungen.
Insgesamt nannten die Befragten 29 konkrete Situationen, die sie als grenzverletzend erlebt haben. Am häufigsten waren verletzende oder abwertende Aussagen, unangemessene Machtausübung und Druck zur Teilnahme an Aktivitäten. In etwas mehr als der Hälfte der Fälle ging es um psychische Grenzverletzungen.
Bearbeitet werden solche Fälle von einer seit letztem Jahr eingeführten unabhängigen Meldestelle.
Je kleiner der Rahmen, desto grösser das Risiko
Grenzverletzungen passierten am häufigsten am Arbeitsplatz oder bei Hausbesuchen, sagte Tobias Keller von gsf.bern: «Je intimer und in kleinerem Rahmen, desto grösser war das Risiko.»
Gemäss Studienergebnissen geniesst die Reformierte Kirche Kanton Luzern bei ihren Mitgliedern «eine solide Vertrauensbasis». Dieses soll nun ausgebaut werden. «Mit der Studie und partizipativen Prozessen entwickeln wir eine Kultur des gemeinsamen Verständnisses und des Hinschauens weiter», sagte Synodalrat Markus Pfisterer.
Zweite Studie geplant
Laut Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann* würden die Präventionsmassnahmen laufend erweitert, etwa durch Sensibilisierung, klare Meldewege, verbindliche Standards für Mitarbeitende und verpflichtende Schulungen zu Macht, Nähe und Grenzverletzungen.
Zudem hat die Kirche eine Monitoringplattform entwickeln lassen. Sie soll unter anderem Verhaltenskodex, Schulungen, Meldewege und Registerauszüge erfassen.
2028 will die Reformierte Kirche Kanton Luzern die Studie wiederholen. Die Ergebnisse sollen aufzeigen, ob die Massnahmen wirken und wo sie optimiert werden können. (sda/ hz)
*Lilian Bachmann ist Präsidentin des Vereins Reformierte Medien, zu dessen Produkten auch ref.ch gehört.