Frau Koutoussaki, Sie setzen sich für historische Friedhöfe in der Schweiz ein. Wie steht es um sie?
Ganz unterschiedlich gut. Für die Friedhöfe zuständig sind in der Regel die Gemeinden. Es kommt sehr darauf an, wer dort das Sagen hat. Je nachdem wird mehr oder weniger Geld in den Erhalt investiert. Manchmal fehlt den zuständigen Behörden auch das Wissen, wie und warum sie ihren Friedhof erhalten sollen. Man kann aber sagen, dass insbesondere grosse Friedhöfe in der Schweiz sehr gut gepflegt werden.
Wann gilt ein Friedhof als historisch wertvoll?
Auch das ist bei jedem unterschiedlich. Im Allgemeinen sind es die Anlage und die architektonischen Merkmale und Besonderheiten, die eine wesentliche Rolle spielen. Zum Beispiel, ob es ein Beinhaus noch gibt und wenn ja in welcher Form. Welche Gräber liegen wo? Sind Baustile zu unterscheiden? Auch das Alter des gesamten Friedhofes kann eine Rolle spielen. Dazu können auch Grabsteine, die historisch von Bedeutung sind, aufgenommen und kommentiert werden. Unsere Arbeitsgruppe beschränkt sich meistens, mit Ausnahme der jüdischen, auf Friedhöfe, die im 19. und 20. Jahrhundert angelegt wurden. Die Erforschung von noch älteren Friedhöfen wäre zu zeitaufwendig, da sie oft schlecht dokumentiert sind.
Was tun Sie, damit die Friedhöfe erhalten bleiben?
Ich und meine Kolleginnen und Kollegen von ICOMOS möchten ein komplettes Verzeichnis erstellen und dabei die Bevölkerung, aber auch die Behörden sensibilisieren. Deshalb gebe ich Interviews und spreche an Konferenzen über das Thema.
Warum ist Ihnen das wichtig?
Friedhöfe gehören zu unserem kulturellen Erbe und sind ein Teil der Schweizer Geschichte. Gerade in der heutigen säkularisierten Zeit ist das manchen nicht bewusst. In der Vergangenheit hat das oft dazu geführt, dass historisch wertvolle Friedhöfe aufgelöst und überbaut wurden. Statt eines schönen Friedhofes ist dort dann ein Parkplatz oder Gebäude zu finden.
Viele Gräber werden gemäss Friedhofsreglement nach 20 oder 25 Jahren aufgehoben. Stört Sie das als Archäologin?
Wenn ich könnte, würde ich die Reglemente ändern! Aber das ist leider nicht möglich. Besonders tragisch ist, wenn Gräber aufgehoben werden, ohne dass den Angehörigen Bescheid gegeben wird. Viele historisch wertvolle Grabsteine sind so verloren gegangen.




Zur Person: Die Archäologin und Altertumswissenschaftlerin Lambrini Koutoussaki ist Leiterin der Arbeitsgruppe «Historische Friedhöfe» der ICOMOS Suisse, einem internationalen Rat für Denkmäler und historische Stätten. Derzeit unterrichtet Lambrini Koutoussaki unter anderem Alt- und Neugriechisch.