Spirale der Gewalt im Norden Äthiopiens
Die äthiopische Regierung hatte angekündigt, Recht und Ordnung in den umkämpften Norden des Landes zu bringen. Doch nun zeigt Human Rights Watch (HRW) in einem Bericht, dass dem nicht so sei. Die äthiopische Armee agiere straffrei, sagte die stellvertretende Afrika-Direktorin. HRW fordert eine UN-Untersuchung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der äthiopischen Region Amhara.
Die äthiopische Armee kämpft dort seit August 2023 gegen Milizen. Während des Krieges in der benachbarten Region Tigray waren sie noch Verbündete. Im August schafften es die Milizen kurzzeitig, den christlichen Wallfahrtsort Lalibela und die Stadt Gondar unter ihre Kontrolle zu bringen.
Human Rights Watch hat nach eigener Darstellung seit Februar mit mehr als 20 Augenzeugen, Opfern und Angehörigen gesprochen und Videos verifiziert. Die Menschenrechtler berichten, wie Soldaten der äthiopischen Armee nach Gefechten mit Fano-Milizen in der Nähe der Stadt Merawi am 29. Januar willkürlich Männer und Frauen erschossen, Häuser und Geschäfte plünderten sowie Fahrzeuge in Brand setzten.
Wie viele Zivilisten genau an jenem Tag ermordet wurden, ist unklar. Die staatliche Menschenrechtskommission spricht laut HRW von 45 Toten, der unabhängige Rat für Menschenrechte von bis zu 89 ermordeten Zivilistinnen und Zivilisten. HRW-Quellen berichteten auch von einem weiteren Vorfall am 24. Februar, bei dem mindestens acht Zivilisten hingerichtet worden sein sollen.
Dass die äthiopische Regierung solche Taten nicht aufkläre und verfolge, trage zu einem andauernden Kreislauf von Gewalt und Straflosigkeit bei, erklärte HRW. Länder, die mit Äthiopien zusammenarbeiten, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen sollten deshalb dringend konkrete Schritte unternehmen, um die äthiopische Regierung dazu zu bringen, die Gewaltspirale zu durchbrechen. (epd/ dst)