So entwickelt sich das religiöse Europa

Forscher der Universität Luzern haben eine Datenbank zur Religionszugehörigkeit in 50 europäischen Ländern entwickelt. Die religiöse Stabilität überraschte sie – der Unterschied zwischen Ost und West aber auch.

Daten über die Religionen in Europa nützen der Forschung nur, wenn sie vergleichbar sind. (Bild: Pixabay/cc0)

Wie haben es europäische Länder mit der Religion? Dies fragten sich Forscher der Universität Luzern. Es gibt dazu zwar bereits Statistiken aus den verschiedenen Ländern, allerdings mit grossen Unterschieden. «Das Problem liegt oft schon in der Fragestellung und der Definition der Religionszugehörigkeit», erklärt Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion an der Universität Luzern.

So zeigten in den letzten Jahren bestimmte Umfragen in Grossbritannien und Frankreich zum Beispiel einen Anstieg bei den Christen, die sich nicht mit früheren Erhebungen deckten. «Die Zahlen bildeten eine kulturelle Religionszugehörigkeit ab. In Abgrenzung zur muslimischen Minderheit begannen sich mehr Leute als Christen zu definieren», erklärt Liedhegener. So eine kulturelle Zugehörigkeit ist nicht das gleiche, wie die formale Mitgliedschaft bei einer Kirche.

Religion in 50 Ländern Europas

Mit einer neuen Datenbank wollen Liedhegener und sein Team Klarheit über die Religionszugehörigkeiten in Europa schaffen. Die gesammelten Daten zur die Religionszugehörigkeit stammen aus 50 europäischen Ländern. Die Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe (SMRE) wurde am 27. Februar aufgeschaltet.

Zur Datenbank gehört auch ein Visualisierungs-Tool. (Bild: smre-data.ch)

Die Herausforderung lag darin, die Daten vergleichbar zu machen. Dazu definierten die Forscher den Begriff der Religionszugehörigkeit enger. Sie erfassten in der SMRE nicht die emotionalen, sondern die formalen Mitgliedschaften, denn diese gibt es quer durch Europa. Die Daten decken zwei Zeitspannen ab: eine von 1996 bis 2005 und eine von 2006 bis 2015.

Kirche nicht überall im Dorf

Mit Erstaunen stellten die Forscher fest: Die religiöse Landschaft Europas ist stabiler als gedacht. In 70 Prozent der Länder sei die historisch vorherrschende Konfession in der Bevölkerung nach wie vor dominant. «Die Zahlen sagen etwas über das historische Erbe Europas», sagt Liedhegener zur Wichtigkeit der Zahlen.

Dennoch blieb nicht überall die Kirche im Dorf. «In einigen Ländern gab es einen starken Säkularisierungsprozess», sagt Liedhegener. Das sei vor allem in Tschechien, Estland, Grossbritannien und Frankreich der Fall – etwas abgeschwächt unter anderem auch in Deutschland und in den Niederlanden.

Überraschende Unterschiede bemerkten die Forscher zwischen Ost- und Westeuropa: Sie driften auseinander. «In westeuropäischen Ländern, vor allem im protestantischen Norden zeichne sich eine Durchmischung unterschiedlicher Religionen ab», sagt Liedhegener. Im Osten hingegen stellten die Forscher eine Tendenz zur Homogenisierung fest.

Transparenz, auch bei der Qualität

Mit den nun publizierten Daten wollen die Forscher der Universität Luzern die Grundlagenforschung unterstützen. Noch ist das religiöse Europa jedoch nicht endgültig kartografiert. Die Datenqualität variiert je nach Land, Zeitraum und Datenquelle. Dies erklären die Forscher auf der Website und deklarieren, woher sie ihre Daten haben und wie sie methodisch vorgegangen sind. Die Datenbank ist freizugänglich für Forschende und Interessierte. Sie soll in den nächsten Jahren erweitert werden.