Forscher fordern bessere Fürsorge für Sterbende

Wie wird in der Schweiz gestorben? Dieser Frage ging das Forschungsprojekt «Lebensende» nach und betont die Wichtigkeit der Palliative Care.

Blick durch einen Vorhang auf ein Krankenbett mit einer Frau, die ihre Arme verschränkt.
Sterben werde massgeblich von gesellschaftlichen Bedingungen mitgeprägt. Diese seien verbesserungsbedürftig. (Bild: Keystone)

Das Nationale Forschungsprogramm «Lebensende» (NFP 67) untersuchte in 33 Projekten während fünf Jahren die verschiedenen Dimensionen des Sterbens: Sinnfragen, Kosten, Sterbewünsche, rechtliche Regelungen und die Rolle der Ärzte. Die Forscher haben ihren Bericht am 21. November veröffentlicht.

Ältere Sterbende verursachen gemäss Studie während ihrer letzten Lebensphase deutlich geringere Behandlungskosten als jüngere Sterbende. Einer der Gründe dafür liege darin, dass ältere Menschen seltener im Spital sterben. Die Zahlungsbereitschaft für die Behandlung sterbender Kinder sei besonders hoch. Die Bereitschaft der Bevölkerung, für die hohen Kosten am Lebensende aufzukommen, sei generell hoch – in der Westschweiz noch höher als in der Deutschschweiz.

Belastende Suizidhilfe

Bei 70 Prozent der «nicht-plötzlichen Sterbefälle» aus dem Jahr 2013 sei entweder auf eine weitere Behandlung verzichtet, eine laufende Therapie abgebrochen oder Massnahmen zur Schmerz- beziehungsweise Symptomlinderung mit möglicherweise lebensverkürzender Wirkung ergriffen worden. Bei lediglich drei Prozent dieser Sterbefälle seien Entscheidungen zur Lebensbeendigung getroffen worden. Darunter fallen «Suizidhilfe, aktive Sterbehilfe auf Verlangen oder solche ohne ausdrückliches Verlangen des Patienten».

Der Wunsch nach Suizidhilfe werde häufig an die Hausärzte herangetragen, heisst es in der Studie. Über die Hälfte der dazu befragten Hausärzte hätten den Suizidwunsch als erhebliche emotionale Belastung erlebt und die Patienten an eine Sterbehilfe-Organisation verwiesen. Lediglich ein Fünftel der Befragten sei bereit, einen Patienten beim Suizid zu begleiten.

Spirituelles Wohl ist Lebensqualität

Im Sterben stellten sich häufig existenzielle Fragen. Betreuende Personen sollten dies angemessen berücksichtigen, fordern die Forscher. Denn das spirituelle Wohlbefinden und das Verhindern einer existenziellen Not könne die Lebensqualität im Sterben entscheidend verbessern.

Heute seien zu traditionellen Idealen, die beispielsweise von den christlichen Kirchen vertreten würden, unterschiedliche Formen so genannter «alternativer Religiosität» hinzugekommen. Diese Veränderungen sollten in der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen durch die Institutionen und die Gesundheitsfachleute angemessen berücksichtigt werden.

Überforderte Hausärzte

Hausärztinnen und Hausärzte spielen laut Studie bei Sterbeprozessen eine zentrale Rolle. Wenn sie bei der Versorgung Sterbender mit ethischen, rechtlichen, psychischen oder spirituellen Herausforderungen konfrontiert würden – besonders im Kontext von Suizidhilfe –, stiessen sie nach eigener Aussage an Grenzen.

Richtlinien seien ihnen kaum bekannt. Auch die interprofessionelle Zusammenarbeit funktioniert laut den Befragten nicht befriedigend. Sie wünschten sich eine bessere Ausbildung in Palliative Care und eine höhere gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit.

Die Ergebnisse der Projekte des NFP 67 unterstreichen die Wichtigkeit von Palliative Care. Man müsse sie in der Schweiz stärker etablieren, fordert die Studie. Die Bevölkerung solle dafür sensibilisiert, Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Fachpersonen besser aus- und weitergebildet werden. Der Zugang zur Palliative Care für Menschen, die zuhause sterben, sei über die Schaffung mobiler Teams zu verbessern. (kath.ch/gs/pd)