Forscher untersuchen Religion als Faktor der Radikalisierung

Ein Forschungsprojekt in Deutschland widmet sich der Bedeutung der Religion im Radikalisierungsprozess junger Menschen.


Die Wissenschaft debattiere derzeit heftig über die Bedeutung von Religion und Religiosität im Rahmen von Radikalisierungsprojekten, schreibt die Universität Bielefeld in einer Mitteilung vom 4. Januar auf ihrer Website. Ein gemeinsames Projekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück erforsche nun in den nächsten zwei Jahren den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen.

Das Projekt wird gemäss Mitteilung vom deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Es schliesse an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an. Die Forscher einen genaueren Blick auf den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Radikalisierungsprozess werfen.

Relevanz für Prävention

«Die vorliegenden Prozessmodelle beschreiben Radikalisierung als einen zumeist linear verlaufenden Prozess, in dem das Individuum sich in seinem Denken und seinen Einstellungen verändert und der schliesslich zu Gewalt und Terrorismus führen kann», zitiert die Website Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Unstrittig sei, dass verschiedene Faktoren Einfluss nehmen können.

Zu diesen Faktoren gehörten unter anderem Konfliktlagen, Religion und Gruppenprozesse, schreibt die Universität Bielefeld und zitiert Andreas Zick vom Institut für Interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung: «Radikalisierung verläuft nicht nach einem einfachen Schema oder wird durch einen Hauptfaktor Religion erzeugt. Religion kann eine Bedeutung haben, aber die muss erst einmal wissenschaftlich sorgfältig bestimmt werden.»

Die Forscher werden den Faktor Religion aus islamwissenschaftlicher, theologischer, erziehungswissenschaftlicher und sozialpsychologischer Perspektive untersuchen. Sie sind sich sicher, dass ihre Forschung für die laufenden Präventionsprogramme eine hohe Relevanz haben werde. (pd)