Deutschland
Die Semperoper und ihre zweite Geburt
Die Semperoper in Dresden wurde 1878 eröffnet, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1985 rekonstruiert.
Die Oper blieb lange eine Ruine, da ihre Wiederherstellung nicht in die sozialistischen Stadtplanungen passte. Erst 1976 entschied die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), das Gebäude originalgetreu aufzubauen.
Der Wiederaufbau unter der DDR-Führung war ein Prestigeprojekt und wurde ausschliesslich von sächsischen Firmen umgesetzt. Internationale Hilfe wurde aus politischen Gründen abgelehnt.
Vergessene Handwerkstechniken mussten aus historischen Quellen rekonstruiert werden. Originalpläne von Gottfried Semper waren nur teilweise erhalten, sodass viele Details nach alten Fotos und Zeichnungen rekonstruiert werden mussten.
Entwürfe entdeckt
Ein glücklicher Zufall half beim Wiederaufbau: Eine 84-jährige Frau entdeckte im Nachlass ihres Grossvaters, eines Mitarbeiters von Semper, Entwürfe für die ornamentale Ausmalung. Auch ein Entwurf für den Schmuckvorhang tauchte unerwartet auf.
Zuschauerraum, Foyers und Fassade sind originalgetreu rekonstruiert, während die Bühnentechnik modernisiert wurde.
Heute zählt die Semperoper mit einer Auslastung von 90 Prozent zu den meistbesuchten Theatern Deutschlands. Intendantin Nora Schmid sieht sie in einer Reihe mit Opernhäusern in Wien, Mailand und Berlin.
Bürgerrecht als Gegenleistung
Gottfried Semper war auch in der Schweiz tätig. Unter anderem erbaute er das Hauptgebäude und das Observatorium der ETH Zürich und das Stadthaus von Winterthur. 1855 ernannte ihn der Bundesrat zum Professor auf Lebenszeit.
1861 verlieh ihm die Zürcher Gemeinde Affoltern am Albis das Bürgerrecht: als Gegenleistung für die Planung des Kirchturm-Umbaus. (epd/ hz)