Schweiz soll Friedensforum für Bergkarabach organisieren
Gut ein Jahr ist es her, seit Aserbaidschan das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Bergkarabach angegriffen hat (ref.ch berichtete). In der Folge verliess der grösste Teil der armenischen Bevölkerung das Gebiet – und ist bis heute nicht zurückgekehrt.
Ethnische Säuberungen
Nun greift die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats das Thema auf: In einer Motion fordert sie ein internationales Friedensforum zu Bergkarabach in der Schweiz. Dies mit dem Ziel, einen offenen Dialog zwischen den Parteien zu ermöglichen und letztlich «die sichere und kollektive Rückkehr der historisch ansässigen armenischen Bevölkerung zu verhandeln». Das Treffen soll innerhalb eines Jahres anberaumt werden.
Bergkarabach erlebe seit dem letzten militärischen Vorstoss Aserbaidschans ethnische Säuberungen. «Armenisches Kulturerbe, wie Kirchen, Klöster und Friedhöfe, wird systematisch zerstört oder unter dem Deckmantel der ‹Renovierung› mit gefälschten historischen Dokumenten umgedeutet», schreibt die Kommission in ihrer Begründung. Dennoch halte die armenische Bevölkerung am Wunsch fest, in ihre Heimat zurückzukehren.
Die Kommission weist auf die traditionelle Rolle der Schweiz als Vermittlerin in internationalen Konflikten hin. So fand im Sommer eine Friedenskonferenz zur Ukraine auf dem Bürgenstock statt. Ein ähnlicher Anlass zu Bergkarabach «könnte einen entscheidenden Beitrag zur Lösung des Konflikts leisten, die Rückkehr der Vertriebenen ermöglichen und somit zur Stabilisierung der gesamten Region beitragen.» Dies sei auch im Interesse der Schweiz, die energiepolitisch eng mit Aserbaidschan zusammenarbeite.
Eingereicht wurde die Motion mit 14 zu 7 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Eine mehrheitlich bürgerlich geprägte Minderheit beantragte die Ablehnung des Vorstosses.
Interesse der Kirchen
Armenien wird oft als erste christliche Nation der Welt bezeichnet. Auch wenn Experten immer wieder betonen, dass es im Bergkarabach-Konflikt nicht oder nicht nur um Religion geht, sondern etwa auch um Geopolitik: Die Kirchen zeigen immer wieder grosses Interesse an dem Gebiet. So war im September 2023 eine Delegation des Weltkirchenrats vor Ort. Ziel war es, auf die Notsituation der Bevölkerung aufmerksam machen, hervorgerufen durch eine Blockade des aserbaidschanischen Regimes, die dem Angriff vorausgegangen war. (vbu)