Schwarz im Namen der Frauen

Weltfrauentag ist einmal im Jahr am 8. März. Für kirchliche Aktivistinnen und Aktivisten weltweit ist aber jeder Donnerstag ein Tag, um gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen zu setzen.

Teilnehmerinnen eines ökumenischen Workshops in Genf posieren für «Thursdays in Black». (Bild: Lutheran World Federation)

Weltweit kämpfen Frauen nach wie vor gegen Gewalt und Vorurteile. Dies geschieht mal lauter, mit pinken Pussyhats oder viralen Hashtags, und mal leiser. Zum Beispiel jeden Donnerstag, wenn Mitarbeiterinnen kirchlicher Organisationen ein Zeichen setzen – in schwarz.

Donnerstags begehen Menschen weltweit «Thursdays in Black». Sie gehen nicht auf die Strasse, sie rufen keine Parolen. Mit schwarzer Kleidung protestieren sie gegen  geschlechtsspezifische Gewalt. «Thursdays in Black» ist eine kirchliche Kampagne, die der Ökumenische Rat der Kirchen vor zwanzig Jahren ins Leben gerufen hat.

«Das Anliegen der Kampagne ist nach all diesen Jahren immer noch aktuell», sagt Sibylle Dirren von der Fachstelle Advocacy von Mission 21. Auch sie trägt donnerstags manchmal schwarz. Dies falle den Menschen im Alltag häufig nicht auf. Anders sei es jedoch, wenn sie Gruppenanlässe organisiere. Dann werde am Donnerstag ein Gruppenfoto mit schwarzer Kleidung vereinbart. Dieses wird in den sozialen Medien mit dem Hashtag #ThursdaysinBlack geteilt. «Damit drücken wir unsere Solidarität mit betroffenen Frauen weltweit aus», sagt Dirren.

Klein, aber beständig

Tatsächlich tauchen jeden Donnerstag neue Bilder schwarzgekleideter Menschen in den sozialen Netzwerken auf. Die Bewegung zeichnet sich allerdings weniger durch die Masse, sondern vielmehr durch ihre Beständigkeit aus. Kommentiert wird auf Englisch. «Es ist eine internationale Bewegung, die Übersetzung und vor allem die Umsetzung findet dann individuell vor Ort statt», sagt Dirren.

Veränderungen bewirke «Thursdays in Black» im Kleinen. Zum Beispiel durch den Einsatz eines Pfarrers oder einer religiösen  Autoritätsperson in Tansania, Nigeria oder im Südsudan. «Solche Autoritätspersonen haben eine Schlüsselfunktion, sie können etwas verändern. Wenn sie sexuelle Gewalt klar anklagen, hat das einen grossen Einfluss auf die Menschen.»

Vielfältige Nöte, ein Problem

Obwohl sich die Probleme der Frauen von Land zu Land unterscheiden würden, liege die Stärke der Kampagne in ihrem globalen Zusammenhalt, findet Dirren. «Geschlechtsspezifische Gewalt ist auf allen Kontinenten ein wichtiges Thema. Es deckt viele Unterthemen ab. In Asien ist der Frauenhandel ein akutes Problem. In Südamerika sind es die Frauenmorde.» All das und auch die Anliegen europäischer Frauen haben Platz in «Thursdays in Black».

Da sehe sie auch eine Parallele zum Hashtag #metoo, der subtile Grenzüberschreitungen genauso thematisierte wie sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen. «Es fragt sich natürlich, ob das nun etwas Kurzlebiges ist oder ob man auch in einem Jahr noch davon spricht. Kurze Aktionen haben es schwer, in den Köpfen der Menschen zu bleiben und ihr Verhalten zu ändern.» Darum sei es wichtig, immer wieder das gleiche Thema, die Gewalt gegen Frauen, anzusprechen.

Frust ist für Sibylle Dirren keine Lösung. «Das Thema wird uns weiterhin beschäftigen.» Das brauche zwar viel Kraft, aber darin liege auch ihr Ansporn, nicht aufzugeben, sondern weiterhin auf eine gerechtere Welt hinzuarbeiten.