«Schnelle Schnitte, Explosionen und ein bisschen Religion darüber»

Die IS-Propaganda appelliert an Heldentum und Männlichkeit und bedient dafür die Ästhetik von Actionfilmen. Das Hollywoodimage zieht vor allem bei jungen Männern aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wie die Extremismusforschung zeigt.


Islamistische Gewalttäter, die in Deutschland aufgewachsen sind, haben nach Einschätzung des Friedens- und Konfliktforschers Jochen Hippler oft gescheiterte Biografien. Vielfach seien sie Kleinkriminelle, hätten schwache Familienbindungen und seien an Schlägereien beteiligt, bevor sie sich radikalisierten, meinte der deutsche Politologe gegenüber Medien. «Dann wenden sie sich einer Ideologie zu, die ihre Gewalt rechtfertigt, überhöht und religiös auflädt», erklärte Hippler.

 

Superhelden im Prophetenlook

Im Unterschied zum Terrornetzwerk Al Kaida, das Videos von alten Männern mit langen Bärten gezeigt habe, komme der Propaganda der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) wie Katastrophenfilme aus Hollywood daher. «Schnelle Schnitte, viel Explosionen und dann ein bisschen Religion darüber gegossen. Im Kern sind das Appelle an Männlichkeit, Stärke, Heldentum und Opferbereitschaft», sagte Hippler. «Das spricht junge Männer an, die sich stark fühlen wollen.»

Die Radikalisierung könne recht schnell ablaufen: «In ein paar Monaten werden Leute, die vorher gekifft oder viel Alkohol getrunken haben, zu Salafisten, für die der Islam und die Sitten aus der Zeit des Propheten das Ideal sind.» Die Bekehrung sei oft nur oberflächlich und stütze sich auf das Selbstbild, zu einer Avantgarde zu gehören. (epd)