Iran
Sängerin performt ohne Kopftuch – Justiz ermittelt
Eine bekannte Sängerin im Iran hat mit einem verbotenen Live-Auftritt im Netz für Aufsehen gesorgt. Parastu Ahmadi streamte ein Konzert mit ihrer Band auf der Videoplattform Youtube und verstiess damit gleich gegen mehrere Gesetze im Iran: Öffentliche Auftritte von Sängerinnen sind in der Islamischen Republik verboten, zudem trat Ahmadi ohne Kopftuch und in einem Kleid auf.
«Ich, Parastu, bin ein Mädchen, das für die Menschen singen möchte, die ich liebe. Das ist ein Recht, vor dem ich meine Augen nicht verschliessen kann», hiess es in einem Text, der vor Beginn des Auftritts eingeblendet wurde. Im Netz wurde ihr knapp halbstündiges Konzert als mutige Performance interpretiert.
Irans Justiz leitete daraufhin ein Verfahren gegen die Sängerin und ihren Produzenten ein. Das Konzert erfolgte «ohne Einhaltung der gesetzlichen und religiösen Vorschriften», hiess es auf dem Justizportal Misan. Es seien angemessene Massnahmen ergriffen worden.
In den vergangenen Jahren hat sich der Protest vieler iranischer Frauen gegen die strengen islamischen Gesetze intensiviert. Im Herbst 2022 gingen Massen unter dem Motto «Frau, Leben, Freiheit» gegen die repressive Politik auf die Strassen, doch die Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen.
Konservative Abgeordnete wollen mit einer Strafreform der Kopftuchpflicht, die drakonische Strafen bei Verstössen vorsieht, gegen den zivilen Ungehorsam vorgehen. Viele Frauen in den Metropolen widersetzen sich inzwischen als Zeichen des Protests und der Selbstbestimmung den islamischen Dresscodes. (sda/ dpa/ no)