Sparentscheid

RTS streicht «Faut pas croire»

Als Sparmassnahme wird im Westschweizer Fernsehen die Sendung «Faut pas croire» ab Juni 2022 nicht mehr produziert. Die Verantwortlichen der reformierten und katholischen Kirche in der Romandie kritisieren den Entscheid.

Aufgrund von Sparmassnahmen schafft RTS die halbstündige Wochensendung «Faut pas croire» ab. Die Sendung über spirituelle, ethische und philosophische Themen wird von Médias-pro, dem Medienunternehmen der französischsprachigen Reformierten und Cath-Info, dem katholischen Pendant, mitproduziert. Die vertragliche Vereinbarung, die zwischen den beiden Unternehmen und RTS bestand, wurde von RTS im Sommer gekündigt. Verhandlungen gab es laut Michel Kocher, Direktor von Médias-pro, keine.

Médias-pro und Cath-Info zeigen zwar Verständnis für Sparmassnahmen. Doch mit der Kündigung werde eine 65-jährige Partnerschaft untergraben, wie es in einer Medienmitteilung vom 8. September heisst. Die «radikale Entscheidung», die Sendung zu streichen, schwäche den service public in einem sensiblen Bereich. Ausserdem kritisieren die beiden Medienvereine, dass die Kürzungen im Bereich Religion doppelt so hoch ausfallen wie in anderen Bereichen.

Digitale Angebote ausbauen

 «Diese Abschaffung läutet das Ende eines religiösen, spirituellen und ethischen redaktionellen Angebots im Fernsehen ein», heisst es in der Medienmitteilung. Michel Kocher befürchtet im Gespräch mit ref.ch, dass dies religiöses Analphabetentum, Spannungen in Bezug auf Glaubensbekundungen und eine stärkere Fragmentierung der Gesellschaft zur Folge haben könnte.

Philippa de Roten, Leiterin der Abteilung Gesellschaft und Kultur bei RTS versprach aber in der «Le Temps», man werde einen Teil der gesparten Gelder in digitale Angebote investieren. Damit könne man diese Themen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Sie betonte, RTS wolle weiterhin mit den reformierten und katholischen Partnern zusammenarbeiten, um ein «starkes und wirkungsvolles digitales Angebot» zu entwickeln.

Zusammenarbeit soll bleiben

Médias-pro und Cath-Info begrüssen diese Pläne. Allerdings halten sie fest, dass ein digitales Angebot das Fernsehprogramm nicht ersetzen könne, gerade für ein älteres Publikum. Bei Verhandlungen über eine neue Vereinbarung wollen sie sich dafür einsetzen, dass die Zusammenarbeit zwischen den kirchlichen Medienunternehmen und RTS bestehen bleibt. (mos)