Mittelmeer

Rettungsschiff «Alan Kurdi» darf Hafen verlassen

Ein halbes Jahr lang ist die «Alan Kurdi» von den italienischen Behörden in einem sardinischen Hafen festgesetzt worden. Nun darf das Schiff wieder in See stechen. Die Blockade wird aber noch ein Nachspiel haben.

Nach sechs Monaten Zwangspause ist das deutsche Rettungsschiff «Alan Kurdi» wieder frei. Das teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, der das Schiff gehört, am Sonntag mit. Die italienische Küstenwache hatte die «Alan Kurdi» wegen angeblicher technischer Mängel im Oktober im Hafen von Olbia auf Sardinien festgesetzt, nachdem die Crew 133 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet hatte. Gegen die Festsetzung hatte Sea-Eye im Eilverfahren geklagt.

Nach Angaben des Vereins entschied ein italienisches Gericht am Freitag, dass das Schiff nicht länger festgehalten werden dürfe. Sea-Eye könnten «schwere finanzielle Schäden» und «weitere Schäden komplexer Art» entstehen, wenn nicht gestattet werde, das Schiff rechtzeitig zu seiner zweijährigen Inspektion und geplanten Wartungen nach Spanien zu überführen. Der Verhandlungstermin in der Hauptsache, bei dem über die Rechtmässigkeit der Festsetzung entschieden werde, soll am 3. November 2021 stattfinden.

Behörden bescheinigten Sicherheit

Vertreter des italienischen Verkehrsministeriums setzten sich den Angaben zufolge vor Gericht für strengere Regeln und höhere technische Auflagen für Rettungsschiffe ein. Der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler sagte, die italienischen Behörden gingen offenbar davon aus, «dass wir die Auflagen nur schwer erfüllen könnten». Sowohl deutsche als auch spanische Behörden und eine international anerkannte Schiffsklassifikationsgesellschaft hätten der «Alan Kurdi» zuvor die nötige Schiffssicherheit bescheinigt.

Die «Alan Kurdi» werde nun auf die Überfahrt nach Spanien vorbereitet, um geplante Wartungsarbeiten durchzuführen, teilte Sea-Eye weiter mit. Die Hilfsorganisation wolle im April ein weiteres Schiff namens «Sea-Eye 4» entsenden, an dem auch das kirchlich initiierte Bündnis «United4Rescue» beteiligt ist, sagte Isler. (epd/no)