Reformierte ZH: Pfarrer nicht mehr zwingend an der Urne wählen

Reformationsjubiläum und KirchGemeindePlus stehen in den nächsten vier Jahren zuoberst auf der To-Do-Liste der Landeskirche. Die Synode unterstützte damit die Marschrichtung des Kirchenrates. Dieser nahm zudem eine Motion an, die die Urnenwahl der Pfarrpersonen abschaffen will.

Rathaus Zürich: Hier tagt die Synode.
Rathaus Zürich: Hier tagt die Synode.

Ob das Engagement der Landeskirche mit einer Teilzeitstelle im Bereich Migration angesichts der Flüchtlingskrise genüge, fragte die Synodale Jacqueline Sonego Mettner in der Fragestunde der Synode vom 14. Juni. Die Frage kam unmittelbar zwischen zwei Traktanden zu den Legislaturzielen der Landeskirche. Manch ein Synodaler hatte dabei gewarnt, vor lauter innerkirchlichen Projekten nicht den Blick nach Aussen zu verlieren. Bei dieser Frage bot sich nun die Gelegenheit zu zeigen, dass die Kirche den Blick nach aussen nicht verloren hat.

Dienst am Nächsten

Die Antwort gab Kirchenrat Bernhard Egg zusammen mit einer aktuellen Mitteilung zur Flüchtlingsfamilie in Kilchberg. Die Zürcher Seegemeinde hatte die tschetschenische Familie bis zu ihrer Ausschaffung am letzten Donnerstag im Pfarrhaus beherbergt und sich mit weiteren Personen für ein Bleiberecht eingesetzt.

Dies «im besten Sinn als Dienst an den Nächsten» und im Sinn der Aktion «Fluchtpunkt», die das Engagement der Landeskirche und ihrer Kirchgemeinden für Flüchtlinge hochhalten und stärken will. Diesen Bemühungen sei ein rechtskräftiges Verfahren gegenübergestanden, das die Wegweisung zur Folge hatte. Dies müsse man zur Kenntnis nehmen.

«Von Akzeptanz möchte ich nicht sprechen», sagte Egg und plädierte als Konsequenz daraus für ein Asylrecht, das mehr Ermessensspielraum zulässt und Härtefälle wie diesen als solchen taxiert. Die Kirche habe im Fall von Kilchberg viel getan und deeskalierend gewirkt. «Das ist Aufgabe und Herausforderung der Kirche.» Und an eben dieser wichtigen Aufgabe seien derzeit viele Kirchgemeinden und Mitarbeitende der Landeskirche engagiert – weit mehr also nur die Teilzeitangestellte im Fachbereich Migration.

Zufriedenes Kirchenparlament

Der Diskussion rund um die weiteren Herausforderungen der Kirche und deren Fokussierung in Form von Legislaturzielen widmete sich die Synode in der Folge. Mit der Marschrichtung, die der Kirchenrat dabei vorgab, zeigte sich das Kirchenparlament zufrieden. Unter dem Leitmotiv «Kirche der Zukunft – näher, vielfältiger, profilierter» nannte der Kirchenrat vier Bereiche, denen sein Hauptaugenmerk bis 2020 gelten soll: Reformationsjubiläum, das Projekt «KirchGemeindePlus», die Anpassung von Leitungs- und Führungsaufgaben in den Kirchen sowie Strategieentwicklungen im Bereich Finanzen und Immobilien.

Zum Schwerpunkt Reformationsjubiläum weist der Kirchenrat auf das «Potenzial der Erneuerung» hin, das seit jeher die reformierte Tradition prägt und das zum Jubiläum sichtbar gemacht werden solle. Auch das zweite Legislaturziel, KirchGemeindePlus, richtet der Kirchenrat auf ein Grossprojekt aus, das für die Landeskirche bereits während der letzten Jahre prägend war und bei dem nun Weichenstellungen anstehen: Bereits am 5. Juli nimmt die Synode erneut Stellung zur Strukturreform, die die Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden voranbringen will. Die Pläne dafür hat der Kirchenrat am 26. Mai präsentiert.

1,3 Millionen Überschuss

Auf der Traktandenliste standen neben den Legislaturzielen und der Jahresrechnung, die mit 1,3 Millionen im Plus schliesst, weitere Vorstösse: Thomas Illi und Mitunterzeichnende verlangten mittels einer Motion, das Urnenobligatorium für Bestätigungswahlen der Pfarrerinnen und Pfarrer aufzuheben.

Diese Bestimmung wurde mit der Kirchenordnung von 2009 eingeführt. Der Motionär begründete seinen Vorstoss damit, dass es bei Wahlen nach diesem Modus «zu nicht voraussehbaren und objektiv unbegründeten Zufallsentscheidungen» kommen könne. Die Motion fand die Unterstützung sowohl der Synode wie auch des Kirchenrates, der den Vorstoss von sich aus entgegennahm.

Keine Chance hatte indes eine Motion von Peter Fischer: Der Synodale verlangte eine Änderung der Personalverordnung, die sicherstellt, das Mitarbeitende der Landeskirche zwingend Mitglied der Landeskirche sind. Die geltende Regelung hält fest, dass Mitarbeitende «in der Regel» Mitglieder sind. Man wolle keine Mitgliedschaft erzwingen und, sagte Kirchenrat Andrea Marco Bianca, eine Identifikation mit dem Auftrag sei auch ohne Mitgliedschaft möglich.