Reformierte Synode Graubünden kritisiert Schweizer Firmen

Fünf Tage dauerte die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Graubünden in Vicosoprano im Bergell. Im Zentrum stand die Aufnahme von 11 neuen Pfarrpersonen und eine Resolution, welche die Praktiken von Schweizer Firmen geisselte.

Die Bündner Dekanin Cornelia Camichel eröffnet die Synode und erinnert daran, dass vor 50 Jahren erstmals zwei Theologinnen an der Synode ins Pfarramt gewählt wurden. (Bild: zVg/Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden)

Wie die Evangelisch-reformierte Kirche Graubünden in einer Mitteilung schreibt, eröffnete am Donnerstag, 25. Juni die Dekanin Cornelia Camichel vor rund 150 Synodalen und Gästen die Synode. Dabei erinnerte sie an die Synode vor fünfzig Jahren in Tschiertschen, als erstmals zwei Theologinnen durch die Synode ins Pfarramt aufgenommen wurden. Camichel äusserte vor den Anwesenden auch ihren Willen, die Synode angesichts der Herausforderungen in Gesellschaft und Kirche künftig vermehrt als «theologisches Kompetenzzentrum» zu positionieren. Ihre Kolleginnen und Kollegen fragte Camichel: «Können wir beschreiben, was unsere Kirchenmitglieder beschäftigt? Leben wir das Evangelium, das die Kirche zu verkündigen beauftragt ist?»

11 neue Pfarrpersonen gewählt

Am Sonntag nahm die Synode 4 Pfarrerinnen und 7 Pfarrer in die Bündner Kirche auf. Der Entscheid fiel in der Kirche Bondo in geschlossener Sitzung, nachdem sich die Kandidaten je mit Lebenslauf und Predigt der Synode vorgestellt hatten. Die neuen Pfarrpersonen heissen: Haiko Behrens (Mittelschanfigg), Ivana Bendik (Chur), Suzanna Hulstkamp /Zillis/Schamserberg), Jürg Jäger (Paarlando), Rolf Nünlist (Sent), Nico Rubeli (Filisur/Albula), Wini Schäfer (Flerden/Urmein/Tschappina und Ausserheinzenberg), Maria Claudia Schneebeli Stoffel (Pontresina), Bernd Steinberg (Trin), Ina Weinrich (Safiental) und Jürgen Will (St. Moritz). In Graubünden entspricht die Synode der Versammlung aller evangelischen Pfarrpersonen im Kanton, weshalb die neuen Pfarrpersonen auch künftige Synodale sind.

Resolution geisselt Ausbeutung von Firmen mit Sitz in der Schweiz

Am Montag verabschiedete die Synode eine Resolution. Darin zeigt sich die Evangelisch-reformierten Kirche Graubünden besorgt über die «Menschenrechtsverletzungen in Arbeitsprozessen, dem Landraub durch grosse Firmen und Konzerne, sowie Ausbeutung und Verschmutzung der Natur in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas». An diesen Verletzungen der Menschenrechte und an der Ausbeutung der Schöpfung würden sich auch Firmen beteiligen, die ihren Konzernhauptsitz in der Schweiz haben und sich hier an strenge Massgaben und gesetzliche Auflagen halten müssen. Deshalb unterstütze die Landeskirche die «Konzernverantwortungsinitiative». Diese verpflichtet international tätige Firmen mit Sitz in der Schweiz, sich an die von der UNO gesetzten Menschenrechte und Umweltstandards zu halten. Diese entspreche der «christlichen Verpflichtung», heisst es im Resolutionstext.

Die nächste Synode findet Ende Juni 2016 in St. Antönien statt.

 

 


 

Gut zu Wissen: Das Dekanats-Amt und die Synode in der reformierten Landeskirche Graubündens

Die Synode ist die Versammlung aller evangelischen Pfarrpersonen im Kanton Graubünden. Sie entscheidet, wer in der reformierten Bündner Kirche Pfarrerin oder Pfarrer sein darf. Die Synode nimmt als Vernehmlassungsorgan zu allen landeskirchlichen Erlassen Stellung zuhanden des Kirchenrates, welcher die Exekutive bildet. Die Leitung der Synode liegt beim Dekan, beziehungsweise neu bei Dekanin Camichel. Sie wird dabei unterstützt von zwei Vizedekanen. Diese Dreiheit sollte in früheren Jahrhunderten sicherstellen, dass jeder der drei historischen Bünde in der Leitung der Synode vertreten ist. Die Synode behielt diese Regelung auch nach der Bildung des politischen Kantons Graubünden bei. Die Dekanin ist von Amtes wegen auch Mitglied des Kirchenrates der reformierten Bündner Kirche.