EKS-Sommersynode

Reformierte vertagen Entscheid über Missbrauchsstudie

Gibt es in der Schweiz eine reformierte Missbrauchsstudie? Das müssen die Synodalen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) entscheiden. Am ersten Tag der Sommersynode reichte die Zeit nicht aus, um die Abstimmung durchzuführen.

An der Sommersynode der EKS in Neuenburg ist eifrig debattiert worden. (Bild: EKS)

Mit Spannung war ein Entscheid erwartet worden, und noch ist er nicht getroffen: An der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) hat das Kirchenparlament noch nicht entschieden, ob es eine reformierte Missbrauchsstudie gibt und falls ja, wie diese aussehen soll (ref.ch berichtete). Die Synode wird am Dienstag erneut zusammenkommen und dann über die verschiedenen Anträge abstimmen.

Der EKS-Rat schlägt der Synode vor, bei der Universität Luzern und dem Meinungsforschungsinstitut Demoscope eine sogenannte «Dunkelfeldstudie» in Auftrag zu geben. Diese würde rund 1,6 Millionen Franken kosten. Ein Beteiligtenrat soll die Studie begleiten, und Konzepte zum Schutz der persönlichen Integrität sollen verstärkt werden.
Zustimmung erhielt der Rat in Voten von Christoph Zingg, dem Synodalen für die Bündner Landeskirche, sowie in einer Stellungnahme von Judith Pörksen, Präsidentin der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

13 Landeskirchen gegen Ratsvorschlag

Widerstand gibt es dagegen von 13 Landeskirchen, zu denen unter anderen Appenzell, Thurgau, Basel-Landschaft und Zürich zählen. Diese Landeskirchen stellen drei Gegenanträge. Sie fordern darin, dass die gesamtgesellschaftliche Dunkelfeldstudie grösser gedacht wird. Die EKS soll sich beim Bund für die Durchführung einer Studie auf nationaler Ebene einsetzen.

Zudem wird verlangt, dass der EKS-Rat eine Arbeitsgruppe bilden muss. Diese würde anschliessend prüfen, ob es eine interne Erhebung oder eine reformierte Studie zu sexuellem Missbrauch geben und wie diese aussehen soll. Möglich wären auch weitere Massnahmen, damit Menschen in ihrer körperlichen und psychischen Integrität besser geschützt sind. Änderungsanträge kamen auch von der Waadtländer Kirche.

Rechnung schliesst mit Plus statt Minus

Darüber hinaus haben die Synodalen die Jahresrechnung 2023 verabschiedet. Diese schliesst mit einem Plus von 180'000 Franken anstelle von einem Minus von rund 20'000 Franken. Ein Grund dafür sind geringere Personalkosten.

Debattiert wurde weiter über den Finanzierungsschlüssel der EKS und der Landeskirchen. Die Mitgliederbeiträge müssten auf die finanziellen Entwicklungen der Mitgliedskirchen angepasst sein, argumentierte der Aargauer Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg. Dieser reichte einen entsprechenden Vorstoss ein, den der Rat entgegennahm. Weiter erteilten die Synodalen dem Rat die Decharge und genehmigten den Rechenschaftsbericht 2023. (jow)