Refine-Festival
«Wir dürfen die Jugendfestivals nicht den Freikirchen überlassen»
Am Wochenende fand erstmals das Refine-Festival statt. Ein Grossanlass, der Jugendliche für die reformierte Kirche begeistern soll. Fortan soll es alle zwei Jahre stattfinden, jeweils in einer anderen Region in der Schweiz.
Laut den Organisatoren war die Premiere in Zürich ein voller Erfolg, über 2000 Jugendliche waren nach Zürich gereist. Das Refine habe Brücken geschlagen zwischen «reformierter Tradition und jugendlichen Formen gelebten Glaubens», heisst es in einer Medienmitteilung.
Lange waren die Anmeldezahlen für den Grossanlass schleppend verlaufen. Noch vor einem Monat waren keine tausend Tickets verkauft, die Nachfrage zog in den letzten Wochen aber stark an. «Wir hatten tatsächlich viele Bedenken, ob uns dieser Anlass gelingen würde», sagt Thomas Schaufelberger, Leiter der Abteilung Kirchenentwicklung der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Umso schöner sei es, dass das Refine nun eine gelungene Premiere feiern konnte. «Es war ein absolutes Highlight.»
Der Samstag war mit 1800 verkauften Tickets ausverkauft, ebenso die 500 Übernachtungsplätze. Kurz vor dem Event waren für Freitag 800 und für Sonntag 650 Eintritte verkauft.
Die Jugendlichen haben laut Schaufelberger gemerkt: In der reformierten Kirche gibt es eine Gemeinschaft, in der auch die Themen, die Ästhetik und die Musik der Jugend vorkommen. «Teil von etwas Grösserem zu sein, wo man sich einbringen kann, war für viele ein Aha-Erlebnis», so Schaufelberger.
«Identitätsstiftend und extrem wichtig»
Zwar gibt es bereits kirchliche Jugendfestivals, diese stammen aber von freikirchlichen oder überkonfessionellen Verbänden. «Die Stärke der Reformierten ist die grosse Diversität», sagt Schaufelberger. Von distanziert zu engagiert, von liberal zu konservativ treffe man alles an. «Uns war wichtig: jede Einstellung hat Wertschätzung verdient.»
Natürlich habe es auch jene Konfirmanden dabeigehabt, die im Rahmen des Unterrichts mitkommen mussten. «Diese waren distanziert und haben Blödsinn gemacht.» Die Begeisterung engagierter Reformierter habe aber einen Einfluss auf diese Jugendlichen gehabt, zeigt sich der Leiter der Abteilung Kirchenentwicklung überzeugt. Aus strategischer Sicht, so Schaufelberger weiter, dürfe man die kirchlichen Jugendfestivals nicht den Freikirchen überlassen. «Es ist identitätsstiftend und für die reformierte Kirche extrem wichtig.» Gerade auch in Bezug auf die Nachwuchsförderung.
Nach der Premiere folgt nun die detaillierte Auswertung. In welcher Form sich das Refine etablieren wird, ist unklar. Wird es weiterhin ein Wochenende sein oder sich auf den Samstag fokussieren? Wird es wiederum ein zentraler Grossanlass sein oder verteilt man sich auf verschiedene Standorte? «Das muss man nun alles genau anschauen», sagt Schaufelberger.
Abrechnung liegt 2026 vor
Klar ist, dass es bei der Premiere trotz eines Beitrags der Zürcher Landeskirche in Höhe von einer Viertelmillion Franken ein Defizit geben wird. Dieses wird ebenfalls von den Zürchern getragen. Wie hoch es ausfallen wird, ist laut Schaufelberger noch unklar. «Es wird sich vermutlich im Bereich von zehn Prozent Abweichung zum Budget bewegen, wie das bei solchen Grossprojekten üblich ist.» Das Budget lag bei rund 850'000 Franken. Die Rechnung werde Anfang Jahr der Synode vorgelegt.
Unter Budget lagen die Eintrittseinnahmen. In den Unterlagen, die zur Kreditsprechung der Zürcher Synode führten, war noch von 3000 Jugendlichen am Samstag die Rede (ref.ch berichtete). «Ein Totalausfall» war laut Schaufelberger das Fundraising. Dass praktisch alle angefragten Stiftungen nicht bereit waren, Gelder für ein kirchliches Festival zu sprechen, sei erschreckend, sagt Schaufelberger. «Offenbar ist die Aversion gegen die Kirche schon stark in der Gesellschaft verankert.»
Während die Zürcher Landeskirche finanziell gut aufgestellt ist, stehen andere stärker unter Druck. Der Trägerverein des Refine-Festivals, dem alle Deutschschweizer reformierten Landeskirchen sowie die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz angehören, hat deshalb beschlossen, sich in Zukunft mit 50'000 Franken am Defizit zu beteiligen. «Das gibt ein Polster für künftige Anlässe.»
Nach der Premiere in Zürich soll im November 2027 das zweite Refine stattfinden, organisiert von den Kantonalkirchen Basel-Land, Aargau und Solothurn.
Dazu hat die Reformierte Kirche Baselland bereits 52'000 Franken für die Planung ins Budget 2026 eingestellt, im Solothurner Budget sind 5000 Franken ersichtlich. Ein Treffen für einen Erfahrungsaustausch mit den Zürchern ist für den Dezember vorgesehen.