Refine-Festival
Weniger Teilnehmende als erwartet beim ersten reformierten Jugendfestival
Spiel, Spass und «Spirit», so lässt sich das Programm des ersten reformierten Jugendkirchentags in der Deutschschweiz wohl am besten zusammenfassen. Das Refine-Festival in Zürich-Oerlikon startet diesen Freitagabend mit einem DJ-Set und endet am Sonntagmittag mit einem Gottesdienst.
Dazwischen wird einiges angeboten: Einerseits gibt es die «Playzone», wo beispielsweise ein Lichterlabyrinth oder ein Escape-Room warten, andererseits locken über 50 Workshops. Die Themen variieren von «Aktivismus für eine gerechtere Welt», über «Social Media» und «Glauben entdecken» bis hin zu «Queer und Christ:in». Oder man entschiedet sich für ganz praktische Kurse wie Improtheater oder Tanzen.
Dazu gibt es Pop-, Rap- und Heavy-Metal-Konzerte auf die Ohren, am Sonntagmorgen starten die Jugendlichen mit einem «Wake-up-Rave» in den Tag. «Ein Wochenende, das verbindet, bewegt und begeistert», heisst es auf der Refine-Website. Federführend ist die Zürcher Landeskirche, die Schaffhauser beteiligen sich inhaltlich daran.
«Gemeinsames Ausprobieren»
Das Ziel ist klar: Der Anlass soll die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen und in ihrem Glauben sowie der Gemeinschaft stärken. Das betont auch Refine-Sprecherin Susanna Hübscher: «Es geht um ein gemeinsames Ausprobieren, wie man die Kirche neu erfinden und gestalten kann.»
Zwar gibt es in der Deutschschweiz bereits diverse kirchliche Jugendfestivals, diese werden aber von freikirchlichen oder überkonfessionellen Verbänden durchgeführt. Die Grossanlässe wie das Praisecamp erreichen mehrere Tausend Jugendliche und prägen ihre Sicht auf den Glauben. Die reformierten Landeskirchen hatten bisher kein solches Festival, das regelmässig stattfindet. Das Refine soll das ändern. Nach der ersten Ausgabe in Zürich soll es 2027 in Basel, 2029 im Kanton Bern stattfinden.
Die Organisation sei ein «Hoselupf» gewesen, sagt Sprecherin Hübscher. Aber nun können sich die Jugendlichen dank des vielfältigen Programms auf eine Forschungsreise begeben: «Laut, kreativ, suchend und alltagstauglich.»
Weil das Refine seine Premiere feiert, habe man vor allem über die Kirchgemeinden für das Festival geworben. «Es muss bei Minderjährigen ja auch eine erwachsene Begleitperson dabei sein», sagt Hübscher. Gleichzeitig baute man Social-Media-Kanäle auf, um das Festival längerfristig digital zu etablieren.
1800 statt 3000 Jugendliche am Samstag
Angesichts der Premiere war für die Organisatoren aber unklar, wie gross die Nachfrage der Jugendlichen überhaupt sein wird. Nun zeigt sich, sie bleibt bei der ersten Ausgabe unter den ursprünglichen Erwartungen.
Als die Synode der Zürcher Reformierten im März 2024 einen Rahmenkredit von rund einer Dreiviertelmillion Franken sprach, war im Antrag von bis zu 3000 Personen die Rede. Laut dem damals präsentierten Budget ging man von Ticket-Einnahmen in der Höhe von 170‘000 Franken aus. Dazu wären 1900 verkaufte Tickets für das ganze Wochenende nötig.
Zwar nehmen nun am Samstag 1800 Jugendliche teil, aber am Freitag (800 verkaufte Tickets) und Sonntag (650) ist der Aufmarsch deutlich geringer.
Von den ursprünglich anvisierten 3000 Jugendlichen hatten sich die Organisatoren bereits im Laufe des Projekts verabschiedet. «Die Kapazität der Lokalitäten und somit die maximale Zahl der Teilnehmenden wurde verkleinert», sagt Hübscher. Am Samstag sei die Kapazitätsgrenze des Geländes erreicht. «Vor diesem Hintergrund ist es für uns ein grosser Erfolg.» Für diese Premiere habe man einen grossen Wissensaufbau leisten müssen.
Auch das Fundraising, mit 210‘000 Franken budgetiert, sei leider nicht so erfolgreich wie erhofft verlaufen, sagt Projektleiterin Diana Abzieher auf Anfrage von ref.ch. Wieso das so sei, werde nach dem Festival evaluiert.
Diskussion um Eintritt für Gottesdienst
Gleichzeitig sorgte die Höhe der Refine-Eintrittspreise an der Zürcher Synode Ende September für kritische Fragen. Hintergrund war ein Refine-Schreiben vom August an die Kirchgemeinden. Darin wurden die Jugendlichen aufgefordert «kein eigenes Essen auf das Gelände mitzubringen» und «das Festival als Ganzes und nicht nur einzelne Tage zu besuchen».
Die Synodale Karin Baumgartner rechnete vor, dass ein Wochenendticket mit Verpflegung 159 Franken kostet. Dazu komme noch das Übernachtungsticket für 25 Franken sowie das Bahnticket. «Für manche Kirchgemeinde stellt dies eine erhebliche Belastung dar.» Interessierte Jugendliche könnten deshalb nicht teilnehmen. Im Zentrum der Kritik stand die Frage, weshalb man auch für den Abschluss-Gottesdienst am Sonntag Eintritt zahlen müsse.
Kirchenrat Bruno Kleeb antwortete, es werde kein Eintritt für den Gottesdienst als solchen verlangt. Das Refine bestehe aus vielen verschiedenen Elementen, die in das Festival eingebunden seien. Kostenlose Sonntagstickets seien unsolidarisch gegenüber anderen Teilnehmenden. «Die Kosten sind bereits knapp kalkuliert.» Beim Essen sei es so, dass man dem Caterer einen Mindestumsatz bezahle. «Deshalb sind wir froh, wenn man am angebotenen Essen teilnimmt.» Sollten Jugendliche die Kosten nicht stemmen können, gehe man davon aus, dass sich innerhalb der Kirchgemeinden Unterstützungsmöglichkeiten ergeben würden.
Auf Nachfrage sagt Projektleiterin Abzieher, man habe die Kirchgemeinden im Sommer 2024 darauf hingewiesen, die Anreise- und Ticket-Kosten der Jugendlichen für das Refine in ihrer Budgetplanung 2025 einzuplanen. Die genauen Preise waren damals aber noch nicht bekannt.