Stadtarchive St. Gallen stellen Dokumente zur Reformation online

Unter dem Titel «Reformation im Internet» stellen die St. Galler Stadtarchive Dokumente zur Reformationsgeschichte digital zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Geschichtsinteressierte sowie an Schülerinnen und Schüler.

Auschnitt aus der Chronik des St. Galler Reformators Johannes Kessler.
Auschnitt aus der Chronik des St. Galler Reformators Johannes Kessler. (Bild: Screenshot Stadtarchiv St. Gallen)

Warum kam es zu Bilderentfernungen in den St. Galler Kirchen und zum Bildersturm im Münster? Wie schmuggelte man verbotene Schriften? Ab wann konnte man sich scheiden lassen? Waren die Mönche im Kloster St. Gallen tatsächlich bewaffnet? Auf solche und andere Fragen zur Reformation haben das St. Galler Stadtarchiv und die Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde St. Gallen Antworten. Neu können diese auch online angeschaut werden: «Anhand von Originaldokumenten werden Menschen aus der Zeit der Reformation vorgestellt und Ereignisse in deren Zusammenhang erklärt», heisst es dazu auf der Website des Stadtarchivs.

«Wiborada Mörli verteidigt die Schwestern von St. Leonhard», heisst beispielsweise ein Dokument, ein anderes erzählt von der Einführung des Schriftprinzips, wieder eines von «bewaffneten Mönchen im Kloster» oder von den «Zukunftsaussichten ehemaliger Nonnen des Klosters St. Katharinen».

Neue Erkenntnisse zur Reformation

«Wir wollten etwas Nachhaltiges zum Reformations-Jubiläum beisteuern», sagte Stadtarchivar Stefan Sonderegger gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Für diese Zusammenstellung seien die Dokumente nochmals unter die Lupe genommen worden und hätten auch neue Erkenntnisse zutage gebracht. So zeige sich etwa, dass die Reformation in St. Gallen nicht nur auf den bekannten Reformator Vadian reduziert werden dürfe. Aus den Quellen gehe hervor, dass auch Gefährten wie Johannes Kessler und Gastprediger eine wichtige Rolle gespielt hätten.

Die Historikerinnen und Historiker der genannten Archive seien überrascht gewesen vom Zusammenleben zwischen katholischem Kloster, reformierter Stadt und katholischem Umland. «Vor allem die Schiedmauer, die 1566 erbaut wurde, zeugte bisher von einer strikten Trennung», so Sonderegger gegenüber der Zeitung. Die Dokumente zeigten aber, dass es sich eher um ein Geben und Nehmen gehandelt habe, reiche Bürger aus der reformierten Stadt hätten beispielsweise Sommersitze auf dem Gebiet des Fürstabts besessen.

Ausstellung mit Originaldokumenten

Jeder Text beginnt laut Website des Stadtarchivs mit einem abgebildeten Auszug aus einer Originalquelle und mit einer buchstabengetreuen Umschrift. Darauf folgen eine Übersetzung in heutiges Deutsch, eine Erläuterung zum spezifischen Fall sowie eine Interpretation. Anhand verschiedener Aspekte soll so «ein möglichst breiter Zugang zur Geschichte St. Gallens in der Reformationszeit» ermöglicht werden.

Wer die Dokumente im Original sehen möchte, hat dazu im Herbst Gelegenheit. In der Ausstellung «Reformation findet Stadt», vom 28. Oktober bis 26. November 2017 im Stadthaus St. Gallen, werden viele der Originale gezeigt, die in den Texten «Reformation im Internet» beschrieben werden. (kath.ch)