Virtuelle Synode

Rat der EKS wieder komplett

Die Synodalen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) wählten am Montag Claudia Haslebacher in den Rat. Zudem bestimmten sie ein neues Synodebüro und segneten die Fusion von Heks und Brot für alle ab.

Es war eine Synode unter besonderen Vorzeichen: Wegen der Corona-Pandemie konnten die Delegierten der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) nicht vor Ort in Bern zusammenkommen. Stattdessen fand die Herbstversammlung am 2. November virtuell via Zoom statt. Zudem wurde die Traktandenliste auf die dringlichsten Geschäfte gekürzt. Zu diesen gehörten unter anderem verschiedene Wahlen: So wurde Rita Famos mit klarer Mehrheit als neue Präsidentin der EKS bestimmt.

Methodisten neu im Rat vertreten

Die Wahl war nötig geworden, weil Gottfried Locher im Frühling nach Vorwürfen von Grenzverletzungen aus dem Amt zurückgetreten war. Im Zuge der damit verbundenen Geschehnisse hatte auch Ratsmitglied Sabine Brändlin ihre Demission bekannt gegeben. Für sie wurde nun Claudia Haslebacher in den Rat gewählt. Sie erhielt als einzige Kandidatin 71 von 79 gültigen Stimmen

Haslebacher ist Pfarrerin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) und präsidierte während zwei Jahren die Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes, der Vorgängerorganisation der EKS. Michael Bünger von der EMK beschrieb sie den Synodalen als jemanden, mit dem man «ernsthaft und humorvoll diskutieren» könne – dies «beim Bier oder bei einem Glas Wein, aber auch in Sitzungen.»

Neues Synodebüro gewählt

Neben den zwei Sitzen im Rat musste auch das Synodebüro neu besetzt werden. Die Amtszeit von Synodepräsident Pierre de Salis läuft nach zwei Jahren ab. Die beiden Vizepräsidenten Heinz Fischer und Barbara Damaschke-Bösch wollen nicht nochmals antreten, obwohl sie dazu berechtigt wären. Dies hatten sie bereits an der ausserordentlichen Synode vom September mitgeteilt.

Beide hatten den Schritt mit dem zusätzlichen Zeitaufwand begründet, der wegen der Krise um Gottfried Locher nötig geworden war. An ihre Stelle treten nun Evelyn Borer aus Solothurn als Präsidentin sowie Catherine Berger aus dem Aargau und Christian Miaz aus Neuenburg.

Fusion der Hilfswerke im nächsten Jahr

Die Fusion der beiden Hilfswerke Heks und Brot für alle nahm einen grossen Teil des Nachmittags in Anspruch, war am Ende jedoch unumstritten. Die Synodalen zeigten sich erfreut, dass die Ergänzungsanträge aus der Versammlung im Juni schnell und überzeugend umgesetzt worden sind. Dabei war es einerseits um die kirchliche Verankerung des neuen Hilfswerkes gegangen, andererseits um die gerechte Verteilung der Geschlechter auf allen Stufen der Organisation (ref.ch berichtete).

Die vier Anträge, die unter anderem den Fusionsvertrag und die neuen Statuten betrafen, wurden in der Schlussabstimmung mit 72 Ja- zu 2 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Der Zusammenschluss wird nun im Laufe des nächsten Jahres rechtlich vollzogen; zuständig dafür ist die Eidgenössische Stiftungsaufsicht, welche die Fusion auch beim Handelsregister anmeldet.

Zum Schluss debattierte die Synode das Budget für das Jahr 2021. Es sieht ein Minus von rund 14'000 Franken vor und könne damit schon fast als ausgeglichen bezeichnet werden, sagte Roland Stach für die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Im Voranschlag sind die Mitgliederbeiträge um 2 Prozent gekürzt. Zudem wird mit den bereits bestehenden Projekten gerechnet, die im gleichen Umfang weitergeführt werden sollen. Neue grössere Projekte sind nicht geplant.

Gottfried Locher als grosser Abwesender

Nicht mehr gereicht hat es aufgrund der gekürzten Traktandenliste für die zweite Lesung der Geschäftsordnung. Damit bleibt die EKS auch im zweiten Jahr nach ihrem Start ohne vollständige Rechtsgrundlagen. Ebenfalls noch offen sind die Rechnung 2019, der Finanzplan ab 2022 sowie das Finanzreglement, das nun in eine dreimonatige Vernehmlassung gehen soll.

Gestrichen werden musste überdies die Verabschiedung von Sabine Brändlin. Synodepräsident Pierre de Salis erklärte, man habe sowohl sie als auch Gottfried Locher eingeladen, kurz zu der Versammlung zu sprechen. Brändlin habe das Angebot angenommen, Locher dagegen habe auf die verschiedenen Kontaktaufnahmen nicht reagiert. Sogar ein eingeschriebener Brief an seine Adresse sei retourniert worden. (vbu)