Heks und Brot für alle wollen Kirchen im neuen Hilfswerk miteinbinden

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz hat grünes Licht für die Fusion von Heks und Brot für alle gegeben. Manche Delegierten fürchteten jedoch, dass die Kirchen in der neuen Organisation zu wenig Bedeutung haben. Man nehme das Anliegen ernst, betonen nun die Verantwortlichen der Hilfswerke.

An der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz stimmten die Abgeordneten klar für eine Fusion von Heks und Brot für alle. (Bild: EKS-EERS / Nadja Rauscher)

Der Fusion von Heks und Brot für alle (Bfa) steht nichts mehr im Weg. Ohne Gegenstimme wurde der entsprechende Antrag bei der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) vom 15. Juni angenommen.

Für Gesprächsstoff sorgten allerdings mehrere Anträge, in denen die Verankerung kirchlicher Interessen im neuen Hilfswerk gefordert wurde. So hiess es beispielsweise in einem Antrag der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn: «Die EKS sorgt dafür, dass im zukünftigen fusionierten Werk auf allen Ebenen Arbeitserfahrung im kirchlichen Kontext und theologisches Fachwissen angesiedelt ist, dass Ansprechpersonen für die EKS, Landeskirchen und Kirchgemeinden definiert werden und ein regelmässiger Austausch sowie eine strategische Kooperation mit diesen besteht.»

Ebenfalls zu reden gab der niedrige Frauenanteil auf Ebene der Geschäftsleitung, der mit 17 Prozent im neuen Hilfswerk laut der Zürcher Kirchenrätin Esther Straub deutlich zu niedrig ist. Straub betonte, dass die EKS im Herbst nochmals Ja zu den Statuten sagen muss, und forderte deshalb ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im neuen Hilfswerk. Der Antrag wurde von den Delegierten mit 63 Ja-Stimmen bei 9 Enthaltungen angenommen. Ähnlich deutlich fielen die Abstimmungen über die anderen Zusatzanträge aus.

Hilfswerke nehmen Anliegen ernst

Sowohl Walter Schmid, Heks-Stiftungsratspräsident, als auch Jeanne Pestalozzi-Racine, Bfa-Stiftungsratspräsidentin, freuen sich über die klare Zustimmung zur Fusion. «Die Atmosphäre an der Synode empfand ich als sehr unterstützend. Es gab viel Wohlwollen», sagt Schmid. Dass die Zustimmung so deutlich ausfiel, habe er dann aber doch bemerkenswert gefunden. Es habe im Vorfeld Vorbehalte gegeben, die an der Synode zum Glück auf den Tisch gekommen seien. «Es gilt nun, die Forderungen nach einer soliden Verbindung zwischen Kirchen und fusioniertem Hilfswerk ernstzunehmen.»

Er könne nur spekulieren, warum es die Befürchtung gebe, die Kirchen könnten künftig zu wenig Gewicht haben, sagt Schmid. «Wir haben als grosses Hilfswerk viel mit weltlichen Partnern zu tun. Dabei kommen wir wohl für manche in der Kirche zu wenig kirchlich rüber.» Das heisse aber nicht, dass das Hilfswerk nicht auf einem kirchlichen Boden stehe. «Die Kirche ist unsere Heimat», betont Schmid.

Wichtig sei Schmid auch das Thema Frauenanteil. «Die Forderung nach Gendergerechtigkeit ist sehr berechtigt und auch verständlich, nachdem im letzten Jahr zwei Frauen aus der Geschäftsleitung ausgeschieden sind», sagt Schmid. «Glücklicherweise konnten wir diese Positionen kürzlich wieder mit Frauen besetzen. Eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter auf der Führungsebene ist für ein Hilfswerk wie das Heks zentral.»

Identifikation mit Hilfswerk wichtig

Auch Jeanne Pestalozzi-Racine von Bfa freut sich über die deutliche Zustimmung zur Fusion. Sie findet es gut, dass die Kirchen in den Zusatzanträgen ihre Anliegen geäussert haben. «Man merkte, wie wichtig ihnen die Identifikation mit dem neuen Hilfswerk ist.» Dieses Anliegen wolle man ernst nehmen. Bei Bfa sei die Nähe zur Kirche schon immer selbstverständlich gewesen. Dass die Kirchen nun sichergehen wollen, dass die Kooperation auch im neuen grossen Hilfswerk weiterhin gewährleistet ist, könne sie verstehen.

Auch das Thema Frauenanteil wolle man sehr ernst nehmen. «Bei uns auf Führungsebene ist ein Anteil von 50 Prozent schon heute selbstverständlich.» Man wolle alles daran setzen, dass auch im neuen Hilfswerk das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist.

«Haus gebaut, Inneinrichtung fehlt»

Mit der Zustimmung an der Synode zur Fusion wurde laut Pestalozzi-Racine der Grundstein für das neue Haus gelegt. «Die Statuten sind die Mauern und können im November der Synode vorgelegt werden.» Danach müsse die Inneneinrichtung gestaltet werden. Pestalozzi-Racine sieht die Verschränkung der Mandate von Brot für alle und Heks positiv.«Brot für alle ist stark bei der Arbeit im Norden, das Heks im Süden. Jeder wird seine Stärken einbringen können.»

Zuversichtlich ist auch Walter Schmid. Nun müssten im Fusionsprozess Details geklärt werden. «Die Fusion ist nicht nur ein Rechtsgeschäft», sagt Schmid. «Sie ist eine willkommene Gelegenheit, die Verbindung zwischen Kirchen und Werk zu überdenken und zu vertiefenEs gehe bei der Fusion nun auch darum, die Unternehmenskulturen von Bfa und Heks zusammenzuführen.