Solothurner Filmtage

Prix de Soleure geht an «Die Anhörung» von Lisa Gerig

Mit dem traditionellen Abschlussabend Soirée de Clôture sind die 59. Solothurner Filmtage am Mittwoch zu Ende gegangen. «Die Anhörung» und «Echte Schweizer» wurden mit den Hauptpreisen ausgezeichnet.

Den mit 60'000 Franken dotierten Prix de Soleure gewann die Regisseurin Lisa Gerig mit ihrer Dokumentation «Die Anhörung». Der Film zeigt, wie Asylanhörungen im Staatssekretariat für Migration (SEM) vonstattengehen und was diese Befragungen bei vier abgewiesenen Asylsuchenden auslösten. Dazu wurden die Interviews mit Angestellten des SEM nachgestellt – durch vier Asylsuchende.

«Der Film besticht mit Menschlichkeit», begründete die Jury ihre Wahl. Obwohl die Gespräche eine Wiederholung seien, würden sie durch ihre Authentizität überzeugen. «Der Film ermöglicht es, sich in die Lage der anderen zu versetzen – die der Befragten und Befrager», teilte die Jury mit. Der Film konfrontiere die Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihren eigenen Privilegien.

In ihrer Dankesrede betonte Gerig, dass die Aufmerksamkeit für ihren Film ihr viel bedeute, und sie nun hoffe, dass alle vier Protagonisten ein ständiges Aufenthaltsrecht erhalten würden. «Die Anhörung» ist Gerigs erster langer Dokumentarfilm und zudem für den Schweizer Filmpreis als bester Dokumentarfilm nominiert.

«Die Anhörung» setzte sich gegen zwei Spielfilme und vier weitere Dokumentarfilme durch, darunter «Operation Silence – die Affäre Flükiger» von Werner Schweizer.

Der Prix du Public ging dieses Jahr an «Echte Schweizer» von Luka Popadić. Am Beispiel von drei Schweizer Offizieren mit Wurzeln in Serbien, Sri Lanka und Tunesien geht der Regisseur den Fragen um Heimat, Zugehörigkeit und Integration nach. Popadić, selbst Hauptmann bei der Schweizer Arme und mit Wurzeln in Serbien, bringt dabei sich selbst und viel Humor in den Film ein, ohne vor kontroversen Fragen zurückzuschrecken.

Der Prix du Public ist mit 20'000 Franken dotiert. In seiner Laudatio sagte Popadić, dass ihm der Publikumspreis viel bedeute. Schliesslich sei es ein «echter Schweizer Preis». Als der Anruf zu seinem Gewinn des Preises kam, sei er gerade am Packen gewesen. Der Regisseur wollte am Mittwoch eigentlich zu einem anderen Filmfestival reisen, doch der Preis machte ihm einen Strich durch die Rechnung. (sda/ pef)