Polnischer Judenretter erhält Grabstein auf Luzerner Friedhof

Er hatte im Zweiten Weltkrieg von Bern aus Juden vor dem Konzentrationslager gerettet: Für seine Verdienste erhält der Pole Konstanty Rokicki nun einen Grabstein in Luzern. Dort war er nach seinem Tod 1958 beerdigt worden.


Als Mitarbeiter der polnischen Exilregierung auf der Botschaft in Bern habe Rokicki massgeblich mitgewirkt, um hunderte Juden vor dem Abtransport in Konzentrationslager zu retten, teilte die Stadt Luzern am 17. August mit. Um ihm einen würdigen Erinnerungsort zu geben, werde die polnische Botschaft voraussichtlich am 9. Oktober auf dem Friedhof Friedental einen Grabstein aufstellen.

Gefälschte Pässe

Als Mitglied der sogenannten «Berner Gruppe» hatte Rokicki geholfen, den Verfolgten falsche Pässe auszustellen, damit sie ins Ausland fliehen konnten. Seine Mitwirkung war in der Schweiz bis vor Kurzem kaum bekannt.

Rokicki stellte laut der polnischen Botschaft in Bern mit Hilfe seines jüdischen Untergebenen Juliusz Kühl in den Jahren 1942 bis 1943 paraguayische Reisepässe für 2’200 vom Tode bedrohte Juden aus. Die Pässe hätten schätzungsweise 700 bis 800 Menschen das Leben gerettet. Der polnischen Botschaft sei rund die Hälfte von ihnen bekannt. Mindestens 20 der Geretteten lebten noch.

Verschollenes Reihengrab

Nach dem Krieg blieb Rokicki in der Schweiz und zog später nach Altdorf UR. 1958 verstarb er im Kantonsspital Luzern und wurde auf dem Friedhof Friedental in einem Reihengrab beerdigt, wie Thomas Scherer, Aussenbeziehungsbeauftragter der Stadt, auf Anfrage sagte. Man schliesse daraus, dass er wohl in ärmlichen Verhältnissen gelebt habe.

Auf Bitte der polnischen Botschaft half die Stadt Luzern ab März 2018 mit, den genauen Standort des Grabes zu suchen. Rokickis Leichnam sei damals im Grabfeld 17 bestattet worden, sagte Scherer. Das Feld sei aber rund 20 mal 40 Meter gross, Pläne der Belegung habe man keine mehr. Mithilfe von Flugaufnahmen aus der Zeit hätten Vermessungstechniker versucht, das Grab ausfindig zu machen. Das gelang nicht abschliessend. Der Grabstein werde nun in der Nähe errichtet. (sda)